LTB Collection - Kampf der Zauberer 2 - Das dunkle Zeitalter
LTB Collection - Kampf der Zauberer 2 - Das dunkle Zeitalter
14. Dezember 2020
von Rina
3 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 3 Sterne vergeben

Nachdem Mickymago mit seinen Mannen im ersten Band die Krone des Megamagiers gewonnen hat, reagiert er nun das Land als eben solcher. Mit der Kraft der Krone hilft er bei großen und kleinen Problemen und erschöpft sich dabei völlig. Als ein Schatten erscheint, der sich als Hüter der Krone bezeichnet, sieht Mickymago eine Chance, seinem Volk doch ein guter Megamagier zu sein.
Die Hauptgeschichte des Buches ist jedoch, dass die Drachen der Urzeit wiedererwachen. Diese sind sehr mächtig und wollen alle anderen versklaven. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen: Alle fünf Teile einer magischen Rüstung müssen gefunden und vereint werden. Und jedes einzelne davon liegt in einem Labyrinth…


Bei diesem Buch habe ich überhaupt keine Skrupel zu spoilern und komme daran auch nicht vorbei, also – seid gewarnt.
Das erste Drittel des Buches besteht aus der Geschichte, wie Mickymago als Megamagier auf den Schatten hört, der ihm einflüstert, ein Turnier zu veranstalten und nur den Siegern einen Wunsch zu gewähren. Als Sieger gehen daraus Karlox und die Phantomagier hervor, die für Phantomagus arbeiten. Dieser betrügt sie jedoch und Mickymago beschließt, die Krone wieder in die einzelnen Magiamanten zu teilen.
Das ist der Ausgangspunkt für die eigentliche Geschichte des Buches. Der erste Teil wirkt wie ein immens langer Prolog, der vollkommen eigenständig funktioniert. Er hat parallele Plotlinien, mehrere Protagonisten und Antagonisten und so weiter. Das Turnier ist natürlich nichts im Vergleich zum Turnier im ersten Band, sondern ein kürzerer und schwächerer Abdruck davon. Warum gibt es diesen Teil überhaupt? Er ist von der Idee her gut gemacht, allerdings ein Turnier direkt nachdem der gesamte erste Band ein Turnier war? Fragwürdige Entscheidung, würde ich mal sagen. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass das in einem späteren Band als komplette Geschichte gut hätte funktionieren können. Statt wie eine Kopie hätte es wie eine Bezugnahme gewirkt und die Hintergrundgeschichte zum Turnier ist natürlich vollkommen verschieden. Wäre das Ganze also detaillierter, länger und in einem späteren Band, hätte es echt gut sein können. So ist es ziemlich seltsam und auch enttäuschend.

Nach diesen 86 Seiten folgt das, was ich als die tatsächliche Geschichte erachte. Durch die Magiamanten werden die uralten Drachen wiedererweckt, die damals die Menschheit versklavt hatten. Dafür braucht man logisch gesehen obigen Teil, allerdings hätten diese Drachen durch alles Mögliche wiedererweckt werden können: Ein Zauber, ein Erdbeben, irgendeine Prophezeiung, … Schließlich sind sie beim ersten Zerschlagen der Krone vor vielen Jahren auch nicht erwacht. Es muss also wieder etwas zusammengesammelt werden – eine Rüstung zwar diesmal, aber trotzdem ziemlich nahe am ersten Band. Den Gedanken, dass jeder Teil in einem Labyrinth liegt, fand ich sehr interessant und war schon gespannt, wie sie sich zurechtfinden. Nur leider scheinen fast all diese Labyrinthe nur geradeaus zu gehen, denn Probleme, den Weg zu finden, haben sie keine. Es gibt Hindernisse dabei, die wunderbar gelungen sind, und andere, die einfach nur langweilen, und dritte, die spannend sind, aber dann das Bezwingen gar nicht vorkommt. So muss Goofimistos durch ein Labyrinth mit zahlreichen angeblich tödlichen Fallen in sehr kurzer Zeit, schafft es mit Zeit übrig und ohne Blessuren und alles, was der Leser davon mitbekommt, ist, dass er hineinläuft und am Ziel ankommt. Spannend. Es ist wirklich gemischt. Es gibt so viele schöne und spannende und einfach gute Parts, aber auch so viele, die nur halbherzig gemacht sind oder einfach nicht zünden.
Im Laufe dieser Geschichte wird Mickymago hypnotisiert und auf die böse Seite gebracht. Das ist, abgesehen davon, dass Logik dabei vollkommen abhanden kommt, wieder immens ähnlich zum ersten Teil des Buches.

Jetzt kommen wir zum dritten und letzten Teil, der nur ein Kapitel lang ist. Er ist aber eine vollkommen gleichberechtigte Geschichte – in der Minnima hypnotisiert wird und eine Schattengestalt einen bösen Zauber über ein Dorf gelegt hat.

Soweit zu den Geschichten. Warum diese drei Geschichten in einem Band sind? Ich weiß es nicht und mag es auch nicht. Warum sie so seltsame Anteile am Buch haben? Auch keine Ahnung und es ist so abrupt, als nach einem Drittel das Buch scheinbar endet. Aber ein wenig kann ich mir das alles erklären, wenn ich in meine Rezension zum ersten Teil der Serie gucke. Diese Geschichten erschienen ursprünglich nämlich kapitelweise. Und dabei wird es kaum gestört haben, ob eine Story ein Kapitel oder sieben Kapitel hatte. Im Buch tut es das schon. Zu gute halten muss man allerdings, dass das, was mich im ersten Buch so gestört hatte, in diesem deutlich besser gemacht ist. Zwischen jedem Kapitel kommt eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Geschehens, die im Buch zwar unnötig, aber in diesem Band wenigstens nicht mehr so aufdringlich und ausführlich sind. Dazu sind auch die erzählerischen Anfänge der Kapitel deutlich flüssiger.

Der „Vibe“ vom Ganzen hat viel eingebüßt. Der Zauber ist weg. Es fühlt sich mehr an wie ein normales LTB mit vollkommen abstrusen und plötzlichen Wendungen, Dialog, der weniger glatt und natürlich ist, generell unschöner, manchmal aber auch poetischer, ohne dass es ins Bild passt.

 

Die Drachen spielen natürlich eine ganz große Rolle: auf der guten wie auf der bösen Seite. Schön ist es, Fafnir sowie das Team Magma-Magie (das sich eigentlich im normalen Leben nie so nennen würde) wieder zu begegnen. Die Urzeit-Drachen sind interessant, aber durch ihre Vielzahl hat der Leser keine Chance, sie kennenzulernen. Und ein ganz bedeutender Punkt ist, dass die Würde der Drachen, die im ersten Teil, wo sie bereits eine große Rolle spielten, oftmals betont wurde, in diesem Band kaum zu spüren ist. Schade ist auch, dass die anderen interessanten Teams vollkommen in der Versenkung verschwinden.

Alleine würde das Buch deutlich besser dastehen, denn:
Phantomagus kommt zurück – zweimal. Er wurde erst ins Schattenreich verbannt, dann einfach weggeschickt und dann wieder ins Schattenreich verbannt. Na, das hört sich ja intelligent an.
Es ist ein neues Thema, aber ähnliche Geschichten: Turnier, Dinge sammeln, am Ende werden Dinge zerdeppert.

Es sind einfach alle wieder da, ohne jegliche Konsequenzen. Karlox und die Phantomagier haben mehrere Auftritte, Phantomagus auch, die fiesen Hexen sind wieder vereint, die Liebespaare sind immer noch nur halb zusammen, der Mantel des Nichts ist weiter in Benutzung (obwohl explizit gesagt wird, dass er es nicht ist).

Es fehlen ein paar schöne Aspekte aus dem ersten Teil: Dons verspätete Zauber und Goofimistos‘ Berufe spielen kaum eine Rolle.

Auch der Zeichenstil ist weniger detailreich und magisch – nur im letzten, unnötigen Kapitel ist er wieder so schön. Wenn man von Minnimas echt schrägem Outfit absieht. Das überrascht mich, da die meisten Zeichner auch am letzten Band beteiligt waren.
Es sind mehr einzelne Ideen, sehr gute, dabei, aber es steckt einfach weniger Mühe in der Story.
Das Gefühl dieses Buches ist nicht so märchenhaft, weniger „feel good“ und die erste Geschichte ist sowohl weniger simpel als auch plumper als der erste Band. Danach geht es aber flüssiger weiter.

Die Witze sind platter und während bei Magie Logik immer eine schwierige Angelegenheit ist, ging es im ersten Band ziemlich gut, in diesem hat man es wohl nicht mal versucht.

Genau wie im ersten Band braucht jemand mal eine Lektion in Kommasetzung: Nebensätze nach dem Muster „um … zu …“ werden mit Komma abgetrennt. Und leider werden wieder Wörter wie „auch“ oder die selbst erfundenen Namen falsch geschrieben. Das ist wirklich nervig.

Zwei Dinge sind für eine Fortsetzung gut gelungen; das Amulettofon, das im ersten Band die Verbindung zu Meister Nereus war, der gefangen gehalten wurde, liefert in diesem Band nur noch sporadisch Informationen, was aber durchaus dynamisch eingebunden wird, und das Buch ist düsterer vom Thema her, was auch auf dem Cover erkennbar ist.

Dass das Frauenbild in den LTBs nicht gerade ideal ist, ist nichts Neues und auch nicht überraschend, da alle acht Personen, die an diesem Comic gezeichnet und geschrieben haben, männliche Vornamen haben. Das ist vermutlich bei den normalen Editionen auch nicht so anders.


Letztenendes ist klar: Dass so viel zu sagen ist, sagt viel darüber aus, was das für ein Buch ist oder sein soll. Ich wollte wieder einen fast romanartigen Comic, der mich verzaubert und zum Lachen bringt. Den ersten Teil habe ich als Kind gelesen. Er war eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe mir nach ungefähr zehn Jahren den zweiten Teil gekauft und mir damit praktisch einen Kindheitstraum erfüllt. Direkt nach dem Lesen war ich enttäuscht, dass ich dafür Geld ausgegeben habe. Nach ein paar Tagen war es dann okay, ich werde es wieder lesen und schon meinen Spaß dran haben. Aber besonders, wo ich mich gerade in Rage geschrieben habe, kommt dieses Gefühl wieder auf. Meine drei Hauptpunkte sind die ungünstige Aufteilung in diese drei Geschichten; der fehlende Platz, damit Charaktere, Handlungen und selbst Schauplätze ihre Wirkung entfalten können; die Logik, die unklar und widersprüchlich im besten und nicht vorhanden im schlimmsten Falle ist. Es ist so schade, dass meistens nur ein Quäntchen fehlt. Ein paar Seiten mehr für dieses Kapitel, ein wenig bessere Lösung für jenes Problem, ein bisschen schwierigere Labyrinthe. Aber knapp daneben ist auch vorbei.



Der hier eingetragene Autor Peter Höpfner ist der Chefredakteur.

„Lustiges Taschenbuch Collection – Kampf der Zauberer – Saga 2: Das dunkle Zeitalter“ erschien 2009 bei Egmont Ehapa, meine Version erschien 2014.

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