Alles, was wir geben mussten
Alles, was wir geben mussten
09. November 2017
von Lina, Kathrin
Ø 4 Sterne
Lina Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

„Alles, was wir geben mussten“ ist die Geschichte von den  Freunden Ruth, Tommy und Kathy. Die drei wachsen zusammen im Internat  Hailsham auf. Hailsham ist ein behüteter Ort für sie, denn die  Wirklichkeit sieht anders aus. Sie gehören zu den Menschen die nur dafür  geboren sind um später zu Spendern zu werden. Das heißt, sie werden,  wenn sie erwachsen sind nach und nach alle lebenswichtigen Organe  spenden bis sie vollenden. Und doch versuchen sie ein Leben zu führen  und die Liebe zu finden…

Die Idee, dass Menschen nur dafür Leben um später ihre Organe spenden  zu können, macht das Besondere an diesem Buch aus. Von vorne herein ist  klar, dass diese Jugendlichen und später Erwachsene nur ein kurze Leben  vor sich haben. Und da verändert sich die Frage nach dem Sinn des  Lebens drastisch. Wie kann man ein Leben führen, wo man weiß, dass nie  erreichen zu können was man sich erträumt? Keinem Beruf später nachgehen  und keine Familie gründen zu können.
Dennoch ist „Alles was wir geben mussten“ keine Geschichte über Angst  oder Zweifel, sondern eine Geschichte über drei junge Menschen, ihr  Leben und der Versuch die Liebe zu finden.
Leider fehlt es an einigen Stellen an Spannung, und die Schreibweise des  Autors wirkt ab und zu wie die eines Kindes, was das ganze etwas  negativ gestaltet.

hat 4 Sterne vergeben

Der Roman „Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro erschien 2005 im btb-Verlag. Die Hauptperson Kathy erzählt darin in Rückblicken von ihrem Leben und dem ihrer zwei Freunde, die sie bis zu ihrem Tod begleiten wird. Die drei sind mit vielen anderen Kindern in einem, von der Außenwelt größtenteils abgeschirmten Internat aufgewachsen, das sie bestmöglich auf ihre spätere Aufgabe vorbereiten sollte: 

Das Spenden.

Denn das ist der einzige Grund für ihre Existenz. In Folge dessen ist ihr Leben streng durchgeplant. Doch bevor sie mit dem Spenden beginnen, arbeiten sie einige Jahre als Betreuer und begleiten dabei andere Spender durch ihre Operationen. Und obwohl die Erzieher im Internat nie ein Geheimnis aus dieser Zukunft machen, so traut sich doch auch niemand offen darüber zu reden. 

Ruth, Kathy und besonders Tommy wollen sich damit aber nicht so recht abfinden und beginnen schon früh, jeder auf seine Weise, nach Antworten zu suchen. Damals vor allem über die mysteriöse Kunstgalerie der Madame und den merkwürdigen Zwang kreativ zu sein, der besonders Tommy unter Druck setzt. Später beschäftigt sich besonders Ruth mit der Frage, ob es vielleicht doch die Möglichkeit gäbe, das Spenden hinauszuzögern und Aufschub zu erhalten. Doch egal wer und wo, die Träume nach ein bisschen Zeit für Normalität ziehen sich durch das ganze Buch und zeigen sich immer wieder... mal versteckt mit kleinen Andeutungen, mal ganz offen als intimes Gespräch zwischen Freunden... und diese Einblicke sind es, die die Geschichte so verletzlich wirken lassen.


Das Buch greift mit der Erzählung über diese drei Freunde das ein großes Konfliktthema der Wissenschaft auf: 

Ist es moralisch vertretbar, Menschen nur für den Zweck des Organspendens zu erschaffen? 

Darf man das Leben eines Menschen beenden, um so andere zu retten? 


Mir gefallen besonders diese Fragen, deren Aktualität Kazuo Ishiguro uns besonders durch die Zeit, in der die Geschichte spielt, nämlich gegen Ende des 20. Jahrhunderts, ins Gedächtnis ruft. Dieses Buch ist also keinesfalls ein Science-Fiktion Roman, obwohl mir das im Zusammenhang mit diesem Thema deutlich lieber wäre. 

Allerdings wird die Problematik und der moralische Konflikt des Themas meiner Meinung nach noch zu viel wenig beleuchtet. Zwar wird aus dem Leben der drei Freunde erzählt, doch es gibt, abgehen von einem Versuch am Ende des Buches, keine weiteren Ansätze ihrem Schicksal zu entfliehen. Dadurch wirkt die Geschichte eher, als würde es von den Opfern einer unheilbaren Krankheit handeln, die die Hoffnung schon längst aufgegeben haben. Auch wird die Resonanz der Methoden in der Bevölkerung völlig außer Acht gelassen und so haben wir nur die geplatzten Träume der drei Kinder und schließlich ihr Schicksal um den Umfang des Ganzen zu erkennen und das finde ich zu wenig. Auch die Situation der Erzieherinnen im Internat, die sich durch die Nähe zu den Kindern in einer unglaublichen moralischen Zwickmühle befinden müssen, wird kaum miteinbezogen. 

Bis auf diese paar kritikpunkte hat mir das Buch allerdings wirklich gut gefallen und deshalb gebe ich 4 Sterne.


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