Stolperschritte
Stolperschritte
29. November 2010
von Kerrin
5 Sterne
Kerrin
Kerrin Jahrgang 1993 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

Das  Buch ‚Stolperschritte‘ von Mirjam Pressler aus dem Jahre 1984 handelt  von Thomas. Er  ist fünfzehn Jahre alt und hat es keinesfalls leicht:  Seit seiner Geburt leidet er an einer Gehbehinderung, sein Vater ist nur  selten zu Hause und er ist oft allein.
Der einzige Lichtblick in seinem tristen Leben ist seine Zuneigung zu  Uli, einem Mädchen aus seiner Klasse. Oft denkt Thomas darüber nach, ob  er wohl eine Chance bei ihr haben könnte. Auch die Besuche bei seinem  Großvater freuen Thomas – er merkt dann, dass wenigstens einer in seiner  Familie über seine Behinderung hinwegsehen kann und ihn nicht als einen  Krüppel sieht. So fühlt Thomas sich nämlich  zu Hause. Immer wird er bemitleidet. Immer wieder wird ihm von seiner  Mutter gesagt, was er tun und lassen soll, dass er sich mit seinen  schwachen Beinen nicht übernehmen soll.
Als dann Thomas kleiner Bruder tot aufgefunden wird, gibt Thomas ihr die  Schuld daran. Und die Kluft zwischen Mutter und Kind wird immer größer…

Eine Situation aus Thomas‘ Alltag:

Heute war mal wieder ein Tag, an dem nichts so lief, wie ich  wollte. Es fing schon damit an, dass Uli gefehlt hat. Dann haben wir  eine Ex in Erdkunde geschrieben, und ich hatte mich nicht vorbereitet.  Na ja, eine Drei wird es wohl noch werden. Nachmittags musste ich zwei  Stunden bei Doktor Halbach warten und hatte mein Buch vergessen. Im  Wartezimmer saß eine Frau mit einem Kind. Das Kind stieß immer wieder  seine Mutter an, zeigte auf mich und flüsterte so laut, dass jeder es  hören konnte: „Schau mal! Der Junge da. Was der hat.“
Ich bin in solchen Situationen immer ganz hilflos, weiß nicht, was ich  sagen soll. Die Mutter hat den Finger auf die Lippen gelegt und „Pscht“  gesagt.

Der Protagonist Thomas schildert sein Leben, mit allen Höhen und  Tiefen. Das Buch ging mir zum Teil sehr nahe, weil Thomas oft so  verzweifelt und traurig ist, dass man das Gefühl hat, er säße neben  einem und man müsse ihn in den Arm nehmen und trösten. An einigen  Stellen besteht also Tränengefahr – für alle, die nah am Wasser gebaut  sind.
Mirjam Pressler schreibt in einer sehr präzisen, nie langweilig  werdenden Art. Ich finde es faszinierend, dass sie in wenigen Worten die  komplexe Gefühlswelt eines Teenagers so packend beschreiben kann. Dafür  vergebe ich fünf Sterne.


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