Interview mit Tamara Bach

Im Rahmen der Jugendbuchtage 2017 hatte Theo die Chance, Tamara Bach zu ihrem neuen Buch "Vierzehn" zu interviewen. 

Blaue Seite: Sind Sie auch schon einmal Hals über Kopf umgezogen, so wie der Vater in „Vierzehn“? 

Tamara Bach: Ja, ich bin sehr kurz entschlossen nach Berlin umgezogen – mit nur zwei Koffern. 

Blaue Seite: Wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch aus der Du-Perspektive zu schreiben? 

Tamara Bach: Ich habe es einfach ausprobiert und es hat sich richtig angefühlt. 

Blaue Seite: Zu welcher Zeit schreiben Sie gerne? 

Tamara Bach: Nachts, gerne nachts. Es ist gut, wenn es dunkel ist. Es hilft, wenn sämtliche Öffnungszeiten vorbei sind, wenn man keine Mails mehr schreiben muss, auf keine Ämter mehr muss oder nicht mehr einkaufen gehen. Wenn man nur noch schreiben kann.

Blaue Seite: Wenn Sie nachts schreiben, was machen Sie dann tagsüber? Schlafen? 

Tamara Bach: Nicht den ganzen Tag, nein. Viele Leute wissen nicht, dass freiberuflich zu arbeiten viel Administration bedeutet, also Mails beantworten oder mit Leuten zu telefonieren. Und Schreiben bedeutet ja nicht nur schreiben, sondern man druckt das Geschriebene aus, korrigiert es, gibt die Korrekturen ein, man fährt irgendwo hin, macht Lesungen. Zwischendrin muss man halt auch mal die Wohnung putzen und sich Essen kochen und solche Sachen. 

Blaue Seite: Wie sind Sie dazu gekommen, „Vierzehn“ zu schreiben? 

Tamara Bach: Ich hatte die Idee, habe eine Woche lang überlegt und dann angefangen zu schreiben. Und dann war es plötzlich fertig, das war das schnellste Buch, was ich jemals geschrieben habe. Der Verlag hat gesagt, das soll ich nicht erzählen, aber tatsächlich hat es nur elf Tage gedauert. 

Tamara Bach: Das ist lange her … Als ich damit angefangen habe, war eben eine der Ideen, diesen Titel zu nehmen, weil ich den Film aus meiner Kindheit kannte. Ich hatte zuerst die Idee für ein Drehbuch und habe mich damit bei einer Drehbuchwerkstatt in München beworben. Ich hatte ein paar Einfälle und eine war halt der Film „Flussfahrt mit Huhn“: Was wäre passiert, wenn alle Figuren zehn Jahre älter gewesen wären? Das ist wirklich lang her – die Idee hatte ich 2001 und geschrieben habe ich es 2003, glaube ich. 

Blaue Seite: Was ist es denn für ein Gefühl, wenn ein Buch fertig ist? 

Tamara Bach: Das ist unterschiedlich. Wenn ich es geschrieben habe oder komplett fertig? 

Blaue Seite: Wenn Sie wissen, dass Sie nichts mehr daran ändern müssen. 

Tamara Bach: Bis dahin sind ja schon drei Trillionen Sachen passiert. Ich habe das Buch geschrieben, ich habe es meiner Lektorin gegeben, ich habe es mehreren Freunden gegeben, die haben alle ihren Senf dazu gegeben, ich überarbeite es und gebe es noch mal meiner Lektorin. Dann geht die noch mal durch, wir machen ein Lektorat und danach habe ich echt keinen Bock mehr auf den Text. Ein halbes Jahr später bekomme ich den Text als Druckfahne zugeschickt, dann ist er schon gesetzt, es sind aber noch lose Blätter. Dann müssen wir den Text nochmal durchgehen, um zu gucken, ob alles stimmt. Dann sehe ich schon keine Fehler mehr. Teilweise sind das Sachen wie: „Oh, hier ist noch eine Zeile Überhang, die müssen wir noch kürzen.“ Dann habe ich wirklich keine Lust mehr auf den Text. Wenn ich den dann abgebe, denke ich: „So, jetzt reicht‘s, endlich fertig, endlich muss ich mich damit nicht mehr befassen.“ Wenn der Text dann aber mehrere Monate später aber in meinem Briefkasten als fertiges Buch auftaucht, dann ist das ... ganz toll. Dann kann man sagen: „Guck mal, das ist meins!“ Allein schon, wenn die ersten Coverentwürfe kommen, ist das auch super, dieses „Ahh, so wird es aussehen“.  

Blaue Seite: Sie haben gesagt, Ihre Bücher widersprechen Ihnen nicht. Wir hatten auch schon Autoren, die gesagt haben: „Boa, meine Geschichte ist so störrisch und die Ideen wollen immer in eine andere Richtung als ich.“ Kennen Sie das gar nicht? 

Tamara Bach: Doch, doch, ich lasse sie dann aber auch. Aber das ist ja auch das Schöne, wenn die Figuren plötzlich so lebendig sind, dass sie selbst entscheiden, wo sie hin wollen. Wenn sie sagen: „Ja, nee, das würde ich jetzt nicht mehr machen, das hast du vielleicht mal geplant.“ Und das ist vollkommen in Ordnung, weil dann die Geschichte stimmt. Ich werde immer noch auf Facebook angeschrieben von Schülern, was denn aus den Figuren aus einem ersten Buch geworden sei. Da muss ich dann immer wieder sagen: „Die sind ausgedacht, das wisst ihr?“ (lacht). Das nennt man Fiktion, nicht alternative Fakten (lacht). Ich bin aber auch nicht die große Planerin und mag das eigentlich, dass die Geschichte irgendwann sagt: „So, du musst jetzt nur noch mitschreiben. Ich sag dir, wie es weiter geht.“ Dann ist es super. Ich habe das schon ein paarmal erzählt: Ich könnte ja oft Gott spielen. Wenn es einer Figur dreckig geht, dann könnte ich „Bling“ machen und alles wäre wieder golden. Plötzlich hätten alle Einhörner als Haustiere und Schokolade wäre kostenlos, was weiß ich. In der Schule gäbe es keine Noten mehr, alles wäre schön. Das kann ich aber so nicht machen. Wenn es einer Person dreckig geht, dann muss ich das mit ihr auch aushalten, auch wenn es mir tatsächlich wehtut. Ich habe schon geheult beim Schreiben. Das ist ein bisschen albern, ich weiß. Aber man steckt da wirklich in der Geschichte drin. 

Tamara Bach: Nee, nee, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Ich möchte nicht schreiben wie jemand anders. Ich möchte auch nicht sein wie jemand anderes. Ich will auch nicht die Geschichte von anderen Leuten schreiben. Man wird ja auch ganz oft angesprochen mit: „Ich habe ja so viele Geschichten, die Sie zu Büchern machen könnten.“ Dann mach selbst Bücher draus, ich will meine Geschichten schreiben. Ich hätte mich gerne mal mit Douglas Adams unterhalten, als er noch am Leben war. Das wäre toll. Es gibt großartige Bücher darüber, wie er gearbeitet hat – ich glaube, es war total gaga. Einmal hatte er angeblich zwei Bananen und spielte Dialoge zwischen den beiden. Jemand fragte: „Was machst du da?“ Er meinte: „Erzähl‘ ich dir später.“ Dann wurde er später gefragt, und er sagt: „Was weiß ich, was ich da gemacht habe.“ (lacht) Aber ich möchte nicht fremde Geschichten geschrieben haben. Obwohl – hätte ich „Harry Potter“ geschrieben, dann hätte ich jetzt sehr, sehr viel Geld, aber nee (lacht). Ich wäre stinkend reich, ich könnte mir ein Einhorn kaufen, ich könnte eins züchten lassen, in einem Genlabor. Aus einem Nashorn und einem ... keine Ahnung was. Pferd oder besser noch Zebra, aber in rosa. Es gibt diese Krabbe, wie heißt die denn? Es gibt so eine Krabbe, die total wahnsinnig schillert. 

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