A lesson before dying
A lesson before dying
06. April 2020
von Hangzhi
4 Sterne
Hangzhi Jahrgang 2004 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

In A lesson before dying erzählt Ernest J. Gaines die Geschichte des jungen Afroamerikaners Jefferson, der in den US-Südstaaten der 40er Jahre zum Tode verurteilt wird. Jefferson, der nur untätiger Zeuge einer Schießerei war. Jefferson, der Opfer einer zutiefst offen rassistischen gesellschaftlich vorherrschenden Schicht und ihrer Institutionen wird. Der örtliche Lehrer Grant, der einzige Afroamerikaner des Dorfes mit höherer Bildung, wird von Jeffersons Patentante damit beauftragt, ihm in der Zeit vor der Vollstreckung des Urteils etwas Würde wiederzugeben, indem er ihn besucht, mit ihm redet und seine Situation erträglicher gestaltet. Das stellt sich anfangs als schwierige Aufgabe heraus, bringt aber nach und nach einerseits die ewiggestrigen, festgefahrenen Gedanken eines Großteils des privilegierten Teils der Bevölkerung, und andererseits die drastisch unterschiedlichen individuellen Herangehensweisen in einer solchen hoffnungslosen Gesamtsituation des unterdrückten Teils so gut wie beinahe nie zuvor hervor und hilft schließlich auch Jefferson und der gesamten afroamerikanischen Community, mit mehr Zuversicht weiterzugehen. Mich hat der Verlauf der Geschichte dazu gebracht, vor allem den immerwährenden Konflikt von situationsgegebener Resignation und doch vorhandener und nötiger Hoffnung zu spüren und ihn besser zu verstehen.

Ernest J. Gaines (oder sein Erzähler Grant) ist wahrscheinlich kein Mann der großen, ausschweifenden Worte. Grant lässt uns häufig so direkt wie möglich an seinem Leben teilhaben, wir sehen die Geschehnisse seiner Welt aus seinen Augen. Zu weiten Strecken findet man also Ereignis- oder Situationsbeschreibungen, die allesamt sehr nüchtern gehalten sind, lange innere Monologe oder ausgeschmückte Beschreibungen sucht man vergebens. Unerwartete Wendungen oder Hochspannung gibt es nicht, dafür (und das ist bei dem Thema viel, viel wichtiger, meiner Meinung nach) aber eine authentische Sicht mitsamt einer einfach zu lesenden, nüchternen Sprache auf die Dinge, die den*die Leser*in gut in die Situation hineinversetzt und ihn*sie die grausamen gesellschaftlichen Konventionen besonders nah bringen kann. Wer bis zum Ende liest, zieht vieles aus dem Buch, wer das nicht schafft (das Ganze ist häufig als Schullektüre anzutreffen, meiner Erfahrung nach ist das das übliche Vorgehen bei etwas langatmigen Lektüren), verpasst eine Erfahrung, die vor allem am Ende bis an die Haut geht und wirklich bewegt.

Von mir gibt es also inhaltlich eine klare Empfehlung. Falls Ihr nach hundert Seiten das Buch schon beiseitelegen wollt, es Euch noch nicht fesselt: Haltet durch, es lohnt sich!

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