Hangzhi Jahrgang 2004 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts wächst Grenouille heran, der schon im Kindesalter durch seine Abnormalität auffällt. In beinahe allen Bereichen unterdurchschnittlich unauffällig, gelangt der durch seine besondere Begabung im Reich der Gerüche herausstechende Protagonist nach Paris, wo er seine Fähigkeiten im Bereich der zur damaligen Zeit als Handwerk äußerst populären Parfumerie verbessert und ausleben kann. Doch der ambitionierte Grenouille hat sich schon längst zum Ziel gesetzt, das "beste Parfum" der gesamten Welt zu erschaffen. Dabei sind ihm alle Mittel recht.


Patrik Süskinds einziger Roman, der moderne Klassiker "Das Parfum", mag auf dem ersten Blick schräg, wie ein äußerst merkwürdiger historischer Roman erscheinen. Doch schon früh während des Lesens entfaltet sich die interessante Kombination aus einer sehr atmosphärischen Beschreibung des historischen Kontextes, unkonventionellem Humor, mysteriösen Persönlichkeiten mit unergründlichen Motiven, daraus folgenden unerwarteten Ereignissen und, nicht zu vernachlässigen, einem wirklich interessanten Einblick in die Methoden und Geschäftsideen der Parfumeure zur Zeit des frühen 18. Jahrhunderts. "Das Parfum" ist nicht nur ein historischer Roman, sondern je nach Lese- und Interpretationsart eine Parodie ebenjener Gattung an Büchern, eine Geschichte über die persönliche Entwicklung eines gesellschaftlichen Außenseiters und einfach ein Krimi der etwas anderen Art. Es hat mich an einigen Stellen wahlweise so überraschend verstört, dass ich die Stelle noch ein paar Mal überflogen habe, um mir sicherzugehen, ob ich mich wirklich nicht verlesen habe und dann auf die Bedeutung ebendieser Stelle im Kontext der Gesamthandlung zu kommen, mich durch die Absurdität zum Lachen gebracht, um direkt danach innezuhalten und über die Bedeutung nachzudenken oder mich dazu gebracht, Informationen zu den beschriebenen Orten, Ereignissen oder Parfumherstellungsprozessen herauszusuchen und zu verschlingen.


Ich glaube, dass "Das Parfum" wirklich sehr, sehr hohen und ebenso vielen Ansprüchen an ein gutes Buch gerecht wird. Es fesselt den*die Leser*in bis zum abrupten Ende mit seinem Facettenreichtum an vielschichtigen Eindrücken und ist zu beinahe jedem Zeitpunkt durch seine spezielle Art höchst unterhaltsam, wobei man sich zunächst einmal auf die detaillierten Geschichtsbeschreibungen und schrägen Figuren des Autors einlassen muss, um in das Flair dieses Romans abzutauchen (und das ist vielleicht nichts für jede*n). Mir persönlich hat es sehr gefallen, und deshalb spreche ich auch eine Empfehlung aus.

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