Delirium
Delirium
27. November 2011
von Bona
4 Sterne
Bona Jahrgang 1993 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

„Du weißt doch, dass man nicht glücklich sein kann, ohne manchmal auch unglücklich zu sein, oder?“

Was wäre, wenn Liebe eine Krankheit ist?

Wenn sie der Grund für Kriege, Eifersucht, Gier und Gewalt ist und  schließlich zum Tod desjenigen führt, der damit infiziert wurde? In  Lenas Welt, in der Zukunft, haben die Wissenschaftler ein Mittel gegen „Amor deliria nervosa“ gefunden. Elektrisierte Zäune schützen die Einwohner vor der Wildnis,  in denen die infizierten Invaliden leben und die Polizei kontrolliert  ständig, ob jemand Anzeichen der  gefährlichen Krankheit zeigt. Zum 18. Geburtstag wird man geheilt und  bekommt bald darauf einen Patner zugewiesen, mit dem man den Rest seines  Lebens verbringt. Ein Leben ohne Schmerzen und ohne Angst. Aber auch  nur mit abgestumpften Emotionen… 

Lena kann es kaum bis zu ihrer Heilung erwarten, denn dann wird sie  endlich glücklich sein. Befreit von der Last ihrer Vergangenheit – von  dem Selbstmord ihrer Mutter, die nie vollständig geheilt werden konnte.  Aber ihre beste Freundin Hana interessiert sich für verbotene Musik und  Konzerte, die heimlich stattfinden, wo ungeheilte Mädchen und Jungen  sich ohne Aufpasser treffen und sogar miteinander reden! Unvorstellbar  für Lena, die ihre Freundin nicht verstehen kann und um deren Gesundheit  sie fürchtet. Aber dann erlebt sie selber die Faszination, das  berauschende Gefühl von Freiheit und… Liebe!
 
 
Dann höre ich es.
Irgendwie kann ich über das ganze Schnauben und Trampeln und Geschrei  hinweg über mir das Lachen hören – leise, kurz und melodisch, als  schlüge jemand ein paar Töne auf einem Klavier an. Die Tribüne. Ein  Junge steht auf der Tribüne und beobachtet das Chaos hier unten.
Und er lacht.
Als ich aufstehe, ruht sein Blick auf meinem Gesicht. Mein Atem strömt  aus meinem Körper  und alles erstarrt, als würde ich ihn durch die Linse  meiner Kamera ansehen, ganz nah herangezoomt, und die Welt hielte  während dieser winzigen Zeitspanne zwischen dem Öffnen und Schließen der  Blende kurz inne. Er hat goldbraunes Haar, wie Blätter im Herbst, wenn  sie sich gerade verfärben, und helle, bernsteinfarbene Augen. Ich weiß  augenblicklich, dass er einer derjenigen ist, die hierfür verantwortlich  sind. Ich weiß, dass er in der Wildnis leben muss; ich weiß, dass er  ein Invalide ist.
Mein Magen verkrampft sich vor Angst und ich klappe den Mund auf, um  etwas zu rufen – ich weiß nicht genau, was -, aber genau in diesem  Moment schüttelt er kaum wahrnehmbar den Kopf und ich bringe keinen Ton  heraus. Dann tut er das absolut völlig Undenkbare.
Er zwinkert mir zu.
 
 
Nach „Wenn du stirbst“ hat die sympathische Erfolgsaustorin Lauren Oliver ein weiteres  unglaublich bewegendes Buch geschrieben. Delirium kommt aus dem  Lateinischen und bedeutet „Verwirrtheitszustand“. Das  beschreibt ziemlich treffend Lucys Gefühlsschwankungen, als sie ihr  ganzes Weltbild in Frage stellen muss und nicht mehr weiß, was richtig  und was falsch ist. Die Geschichte ist einfach unglaublich gut  durchdacht und zeigt, dass Lauren Oliver auch anders kann. 

Die Dystopie, die sie entwirft, erinnert in manchen Punkten an „Die Auswahl“ von Ally Condie, in deren Buch die Themen „verbotene Liebe“ und  „zugewiesene Lebenspartner“ ebenfalls eine große Rolle spielen. Jedoch  überzeugt „Delirium“ eindeutig mehr, schon alleine durch die  Grundidee, dass Liebe eine Krankheit ist und verantwortlich, für die  ganzen Probleme seit Menschengedenken. Diese Vorstellung erscheint bei  längerem Nachdenken auch als gar so abwegig und die Idee als ziemlich  genial. Aber trotzdem würde wohl kaum einer wollen, dass es sie nicht  mehr gibt. Und Argumente für die Liebe sowohl für ihre Schattenseite  weiß Lauren Oliver einfach wunderbar mit der Beziehung zwischen Lucy und  Alex darzustellen. Außerdem wäre eine Welt ohne Liebe doch auch  ziemlich langweilig oder? 

Ich kann die Fortsetzungen der Triologie auf jeden Fall kaum erwarten  und hoffe, dass sie nicht ähnlich vieler anderen Triologien an Spannung  und Qualität verlieren werden. 

Wer mag, kann das zweite Buch „Pandemonium“ auch schon ab  dem März 2012 auf Englisch lesen, da das Original selbst in der  Fremdsprache leicht zu verstehen und auch teilweise besser geschrieben  ist, als die übersetzte Version.

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