Der Bücherdieb
Der Bücherdieb
28. März 2020
von Rina
5 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

„Einen Diebstahl zu planen ist genauso viel wert, wie ein Buch zu schreiben.“

Es lohnt sich nicht, viel zur Handlung zu sagen. Denn viel interessanter sind die handelnden Figuren in diesem Buch. Besonders die Hauptfigur: Daniel Brodin, dessen Gedanken und Gefühle der Leser mitverfolgt. Diese Figur, die einen solchen Wandel an Emotionen und Intentionen durchmacht, ohne sich in der Essenz zu verändern. Daniel Brodin ist ungemein faszinierend. Ich konnte mich zwar nur im allergeringsten Maße mit ihm identifizieren, aber dennoch kommt es mir so vor, als könnte mir fast das Gleiche wie ihm passieren. Von einem ziemlich normalen Leben als Student führt eine Abweichung vom Muster ihn in eine Welt, die von selbsternannten Avantgardisten und Surrealisten bevölkert wird. Währenddessen steigt er in seinem „wirklichen“ Leben rasant auf, seinen Träumen von Ruhm als großer Poet kommt er zum Greifen nah – und stürzt ab. Ob das an seiner Vermischung diesen Lebens mit der von ihm neuentdeckten Welt stammt oder nicht, ist zwar nicht klar, doch er stürzt tief in den dunklen Abgrund eben dieser Welt. Und er genießt es. Statt berühmter Dichter wird er zum Kriminellen, der versucht, „Kunst zu leben“.
Diese Welt ist gefüllt mit Pillen, Haschisch und Alkohol in Massen, interessanten Menschen und außergewöhnlichen Ideen. Eine Welt, in der Daniel Brodin mitschwimmt und eine Heimat findet – emotional und intellektuell. Alles, was ihm passiert, ist so ungewöhnlich, doch vielleicht ist das Besondere an dieser Figur eben das Gewöhnliche, das Menschliche.

Diese Buch löst eine fast schon morbide Faszination und Neugier aus über diese gefährliche, spannende Welt, mit der die wenigsten Leser je etwas zu tun haben werden – was auch gut so ist.

„Der Bücherdieb“ ist genau wie seine Hauptfigur, der Bücherdieb: surreal, aber realistisch. Außergewöhnlich, manchmal verstörend und Stoff zum Nachdenken. Über Literatur, Menschen, das Leben und einen selbst.



Ich möchte außerdem die Übersetzung aus dem Französischen von Volker Zimmermann lobend erwähnen. Ich kenne zwar das Original nicht und könnte es auch nicht verstehen, doch im Deutschen passt der Text vollkommen mit den Bildern und der Geschichte zusammen.

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