Der Mitternachtspalast
Der Mitternachtspalast
14. Dezember 2010
von Freya
3 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 3 Sterne vergeben

Nie werde ich die Nacht vergessen, in der es schneite über Kalkutta. Der Kalender des Waisenhauses St. Patrick’s zeigte die letzten Maitage des Jahres 1932 an, und die Monate zuvor waren die heißesten gewesen, an die sich die Stadt der Paläste erinnerte.

Mit diesen Worten beginnt Der Mitternachtspalast, ein Märchen, das eine vergessene Zeit einfängt und wieder zum Leben erweckt.
Der sechzehnjährige Waisenjunge Ben lernt bei der Abschiedsfeier vom Waisenhaus ein gleichaltriges Mädchen kennen, Sheere. Wer ist sie? Und wer ist die alte Frau, die sie begleitet?

Doch ihre Verbindung ist ganz anders, als Ben und Sheere es je gedacht hätten: Sie sind Zwillinge, verfolgt von ihrer Vergangenheit und in tödlicher Gefahr.

Gekonnt verbindet Carlos Ruiz Zafón ein stilles, nostalgisches Märchen mit einem packenden Thriller. Seine Sprache ist zart und zauberhaft und doch ausdrucksstark und stimmungsprägend. Er skizziert das Bild eines geheimnisvollen, düsteren und aufregenden Kalkuttas, das lebendig und fassbar erscheint.
Da stört es weniger, dass die Handlung gewisse Lücken aufweist und der Aufbau der Geschichte sehr an einen Film erinnert. Der Perspektivenwechsel, die Unpersönlichkeit und die häufigen Rückblenden erinnern sehr an ein Drehbuch und weniger an einen Roman.
Trotz allem verdient Carlos Ruiz Zafón großen Respekt für seine atmosphärisch dichte, packende Schreibweise.

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