Der Spiegel der Königin
Der Spiegel der Königin
05. Juni 2010
von Marie B.
5 Sterne
hat 5 Sterne vergeben

„Ich liebe den Sturm, ich fürchte die Stille.“
Kristina von Schweden (1626-1689)

Es ist purer Zufall, dass sich am schwedischen Königshof des 17.  Jahrhunderts eines Abends die Königin Kristina und die Küchenmagd Elin  begegnen.
Doch diesem Abend folgt eine lange und aufregende Freundschaft zweier  junger Frauen, fast noch Mädchen, die auf den ersten Blick  unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch ähneln.
Für Elin beginnt ein neues Leben: Die Königin macht sie zu ihrem Mündel.  Sie lernt lesen und schreiben, tanzen und reiten und wird bald zur  wichtigsten Beraterin der Königin von Schweden. Doch es warten auch  Schwierigkeiten auf Elin, immer wieder wird sie wegen ihrer Herkunft  nicht für voll genommen. Vor allem der junge französische Adlige Henri  scheint es auf sie abgesehen zu haben. Bei jeder passenden und  unpassenden Gelegenheit gibt er Elin das Gefühl minderwertig zu sein.
Aber Elin lässt sich nicht einschüchtern, sie beweist sich immer wieder  aufs Neue und weigert sich, einfach zu sein wie alle anderen, nur um  akzeptiert zu werden.
Und irgendwann erkennt sogar Henri, dass Elin nicht einfach irgendein  dummes Küchenmädchen ist, sondern eine starke, mutige Frau, die ganz  Schweden die Stirn bieten kann, sogar der Königin selbst.

Ausschnitt aus Der Spiegel der Königin:
„Bilden Sie sich nur nichts auf ihr Elend ein“, zischte sie ihm zu.  „Jeder trägt seine Wunden. Sie sind weiß Gott nichts Besonderes, Henri.“
Der Weinduft musste ihr zu Kopf gestiegen sein, anders konnte sie es  sich kaum erklären, wozu sie sich nun im Zorn hinreißen ließ. Henri  errötete, als er sah, wie sie zu der Schnürung ihres Mieders griff. Mit  wütenden  Bewegungen  löste sie Band um Band, setzte sich zu ihm an dem  Bettrand und wandte ihm dem Rücken zu. Dann zerrte sie das Mieder  auf  und streifte sich entschlossen das leinerne Unterkleid über die  Schultern. Ihre Narbe pochte, als würde Henris Blick sie erwärmen. Sie  wusste, was er sah. Mithilfe eines zweiten Spiegels hatte sie die Narbe  schon oft betrachtet – eine rote, verzerrte Sonne. Nie hätte sie Hampus  einen Blick darauf werfen lassen und selbst bei Lovisa schämte sie sich,  so viel Hässlichkeit zu zeigen, aber hier, in Henris Gegenwart, fühlte  es sich seltsamerweise richtig an.

Ich liebe dieses Buch wirklich. Zum einen, weil Elin eine perfekte  Heldin ist, so mutig und stark und trotzdem verletzlich und sensibel,  ich fand sie schon nach den ersten paar Seiten klasse. Zum anderen, weil  die Figur der Kristina von Schweden als unglaublich interessant  dargestellt wird. Man erfährt viel über diese Frau, die sich, genau wie  Elin, nicht sagen ließ, was sie zu tun hatte und das Ruder immer selbst  in die Hand nahm, und man wünscht sich fast ihr einmal zu begegnen.
Und dann wäre da noch die Geschichte zwischen Elin und Henri, die einen  mitreißt und dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand  legen kann.
Ich weiß, dass Nina Blazon zwar zur Zeit mehr Fantasyromane zu schreiben  scheint, aber ich würde mich freuen, wenn es bald wieder einen  historischen Roman von ihr gäbe.

 

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