Die Ameisekolonie
Die Ameisekolonie
05. Februar 2012
von Freya
4 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Sam hat sein Zuhause und seine Familie hinter sich gelassen um in  London ein neues Leben zu beginnen. Eigentlich will er nur allein sein,  als er in das heruntergekommene Haus in der Georgiana Street zieht. Doch  auch die anderen Bewohner des Hauses haben ihre Geschichten. Da ist  Isabel, die verschrobene alte Lady mit ihrem Hund, der faltige  Eigentümer Steve aus dem Keller, der bärtige Mick und schließlich Cherry  mit ihrer zehnjährigen Tochter Bohemia.
Und Bohemia beschließt, Sam aus seiner Einsamkeit zu holen. Doch  irgendwas scheint der stille Sam allen anderen Bewohnern des Hauses zu  verschweigen.

Auch „Die Ameisenkolonie“ verzaubert wieder einmal mit Jenny  Valentines Sprachmagie. Sie schafft es in jedem ihrer Bücher mindestens  eine Passage zu schreiben, die man unterstreichen, herausreißen und sich  übers Bett hängen möchte, weil sie entweder so schön, so wahr oder gar  beides auf einmal ist.
Sie schafft es, in all der Bitterkeit und Einsamkeit des Lebens durch  ihre Geschichten immer wieder Lichtblicke zu schaffen, mit starken,  ungewöhnlichen Persönlichkeiten wie der kleinen Bohemia, die in dem Buch  selbst zu Wort kommt und trotz ihres unglücklichen Schicksals immer die  Hoffnung behält. Jenny Valentine schafft es, sich in die Rolle einer  zehnjährigen zu versetzen ohne dabei nicht authentisch oder nervend naiv  zu werden. Das allein ist schon eine beeindruckende Leistung im  Vergleich mit zahlreichen anderen Autoren, die dieses versucht aber  nicht durchzuhalten vermocht haben.

Trotz allem muss man ein klein wenig Kritik ausüben. Auch wenn die  Sprache und Ausdrucksweise wie immer großartig ist, lässt „Die  Ameisenkolonie“ in der Handlung etwas nach. Es handelt sich dabei um  keine schlechte Geschichte, aber hinterlässt sie, anders als bei  Valentines anderen Werken, keine Nachwirkungen. Man schlägt das Buch zu,  denkt bei sich: „Nanu, schon zu Ende? Naja, beginne ich eben das  nächste Buch“ und legt es beiseite.
Für mich bleibt also Jenny Valentines „Kaputte Suppe“ immer noch ihr bestes Werk.

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