Die Märchen von Beedledem Barden
Die Märchen von Beedledem Barden
03. Mai 2009
von Lisa
3 Sterne
hat 3 Sterne vergeben

Im letztem Winter war es soweit: der siebte und zugleich auch letzte  Band der Hary Potter-Reihe erschien, welchem Ereignis die meisten wohl  mit gemischten Gefühlen entgegen sahen. Zum einen wollte man natürlich  endlich erfahren wie nun die Geschichte für den berühmten Zauberlehrling  ausgeht. Zum anderem war man aber auch ziemlich traurig angesichts der  Tatsache, dass nach diesem Band keine neuer ,,Harry Potter“ erscheinen  würde und dass die Zeiten vorbei waren, in denen man sehnlichst auf das  neue Buch gewartet und währenddessen allerhand Theorien ersonnen hatte.


Nein, dieser Winter trug die Aussicht ,,potterlos“ zu werden, da auch  die Verfilmung des 6. Teils ,,Harry Potter und der Halbblutprinz“,  welche November 2008 in den Kinos anlaufen sollte, auf den Sommer 2009  verschoben wurde. Doch dann wurden in den Buchläden Plakate ausgehängt,  die den 4. Dezember 2008 als Erstverkaufstag für J.K.Rowlings neues Buch  verkündeten: ,,Ein Klassiker aus der Zaubererwelt von Harry Potter –  Die Märchen von Beedle dem Barden“.

Das 120 Seiten lange Büchlein, erschienen beim Carlsen-Verlag, enthält 5  Märchen: ,,Der Zauberer und der hüpfende Topf“, ,,Der Brunnen des  wahren Glücks“, ,,Des Hexers haariges Herz“, ,,Babbitty Rabbitty und der  gackernde Baumstumpf“ und das Potterfans wohl schon bekannte ,,Märchen  von den drei Brüdern“. Das Buch wird mit einer Einleitung von J.K.  Rowling begonnen und endet mit einer persönlichen Mitteilung von  Baroness Nicholson of Winterbourne MEP. In der Einführung erfährt der  Leser, dass die Märchen von Beedle dem Barden eine Ansammlung von  Geschichten darstellt, welche vor allen Dingen Kindern vorgetragen  werden, um ihnen allgemein anerkannte Werte und Tugenden nahezubringen  und daher mit den Märchen der Gebrüder Grimm vergleichbar sind.  Gleichzeitig werden aber auch die Unterschiede zu den Grimms Erzählungen  deutlich. Die persönliche Mitteilung erklärt, dass man mit dem Kauf  dieses Buch die Wohltätigkeitsorganisation ,,Children`s High Level  Group“ unterstützt, die unter anderem für die vollständie Umsetzung der  Kinderrechtskonvention in der ganzen Welt kämpft.

Nun, da hat sich J.K. Rowling einer anspruchsvollen Aufgabe gestellt.  Märchen sind, laut Definition, Prosaerzählungen mit einfacher Handlung,  ohne räumliche und zeitliche Anbindung, welche besonders für Kinder  verständlich und durch eine Moral am Ende gekennzeichnet sein müssen. In  ihnen sind die Grenzen zwischen Wirklichkeit und phantastischen Dingen  aufgehoben. Doch in der Welt des Harry Potter ist dies sowieso der Fall.  Rowling versucht also gewissermaßen sich mit den Gebrüder Grimm zu  messen und ihnen gleichzeitig eine neue Bedeutung zu geben, nämlich das  Lehren vom Sinn der Magie und ihrer Gefahren. Die Abgrenzung zu den  Muggelgeschichten gelingt ihr insgesamt, wie ich finde, recht gut; nur  ,,Babbitty Rabbitty und der gackernde Baumstumpf“ lässt einem stark an  ,,Des Kaisers neue Kleider“ erinnern.

Doch gleich die erste Geschichte schafft einen guten Einstieg in das  Buch. Die Moral am Ende könnte deutlicher kaum sein und auch stilistisch  gesehen wirkt diese Geschichte für mich als Märchen glaubhaft. Aber  schon die zweite Geschichte lässt, was meinen Anspruch anbelangt, eher  zu wünschen übrig. Meine Bemängelung gilt der Handlung, die, meines  Erachtens nach, eher mittelmäßig unterhaltend ist und am Ende schon fast  in Kitsch endet, ohne dass dabei eine wirkliche Moral zu erkennen wäre.  Den Tiefpunkt erreicht für mich das Buch mit ,,Des Hexers haariges  Herz“. Inhaltlich betrachtet ist es das grausamste Märchen und ich  empfinde diese Grausamkeit irgendwie als unangebracht, weil sie für mich  nicht unbedingt viel zur Lehre beiträgt, wodurch man sie auch weniger  hätte anbringen müssen. Vielleicht wollter J.K Rowling aber auch nur  betonen wie wichtig es als Frau bzw. ,,Hexe“ ist, nicht auf sein Glück  zu warten, sondern tatkräftig etwas dafür zu tun. Andernfalls ende man  womöglich genauso unglücklich wie die Märchenprinzessin in dieser  Geschichte. Einen wirklichen Aufschwung erfährt das Buch auch durch das  vierte Märchen nicht. Die Geschichte zieht sich in die Länge, trifft  weniger einen ,,märchenhaften“ Stil und die Handlung ist für meinen  Geschmack auch ein bisschen wirr und desweiteren nicht gerade spannend.

Entschädigung findet der Leser mit dem letzten und Potterfans auch schon  bekannten Märchen ,,Das Märchen von den drei Brüdern“. Hier stimmt  einfach alles: eine kurzweilige, lehrreiche Geschichte, welche, meines  Empfindens nach, auch sprachlich am meisten nach einem Märchen klingt.  Diejenigen, die auch mit den restlichen Harry-Potter-Büchern vertraut  sind, wissen über die Wichtigkeit dieses Märchens und dass es einen  Schlüssel zur Auflösung der Handlung enthält. Mag sein, dass J.K.  Rowling sich daher bei diesem Märchen besondere Mühe gegeben hat, weil  es auch zur Geschichte von Harry Potter insgesamt beiträgt. So oder so  nimmt die letzte Geschichte eine besondere Stellung ein und lässt den  Leser beim Zuklappen des Buches dann doch mit dem Gefühl zurück wie  schade es ist, dass nun wirklich kein Buch mehr zu erwarten ist, welches  uns in die Welt von Harry Potter entführt.

Nun noch ein paar Worte zu Dumbledores Kommentaren am Ende jedes  Märchens. Diese sollen dazu dienen, dass die Märchen von Muggeln  anständig gewürdigt werden. Ich persönlich empfand die Idee anfangs  interessant, doch als ich das Buch ausgelesen hatte, die Vorstellung,  das Albus Dumbledore solche Randbemerkungen verfasst haben soll, recht  unglaubwürdig. Es wird nur allzu deutlich, dass Dumbledores Anmerkungen  eigentlich nur eine erklärende bzw. deutende Funktion bezüglich der  Märchen darstellen sollen. Angereichert sind sie dann noch mit ein paar  Nebeninformationen, z.B. die Tatsache, dass ,,Der Brunnen des wahren  Glücks“ Objekt für den einzigen Versuch einer Theateraufführung in  Hogwarts war. Den Schreibstil, den J.K. Rowling dabei verwendet, lässt  nicht immer an Dumbledore erinnern, da seine Kommentare ja noch einen  anderen Zweck zu erfüllen haben. Nur manchmal glitzern noch Momente  durch, wo man die typische Wesensart Dumbledores in seinen Worten  wiederfinden kann wie z.B. wenn er seine Meinung zu Mrs. Bloxams Märchen  kundtut. Nichtsdestotrotz erfüllen die Kommentare schon ihren Nutzen,  obgleich ich sie nicht immer als gut geschrieben empfinde.

Insgesamt würde ich sagen, dass das Buch für Potterfans, zu denen ich  auch gehöre, durchaus lesenswert ist, weil es einen noch einmal in die  magische Welt zurückholt, von welcher man sich ja eigentlich mit dem 7.  Band verabschiedet hatte. Es stellt somit eine nette Ergänzung dar.  Allerdings lädt es nicht gerade zum ,,Immer-wieder-lesen“ ein, wie es  sonst bei den Potter-Büchern der Fall ist, da die Geschichten, meines  Erachtens nach, nicht gerade einen großen Unterhaltungswert liefern. Nur  ,, Das Märchen von den drei Brüdern“ ist für mich wirklich gelungen und  wird wohl schon ein zweites Mal gelesen werden, da es auch entscheidend  für den Verlauf der Harry-Potter-Geschichte ist.

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