Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
05. Mai 2018
von Kathrin
5 Sterne
Kathrin Jahrgang 2002 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

Der Roman „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ , geschrieben von Haruki Murakami, erzählt die Geschichte von Tsukuru Tazaki, der sich mit fast 36 Jahren den Problemen seiner Jugend stellt. Damals war er Teil einer 5-er Clique, die alles zusammen machte und unter dessen Mitgliedern ein stilles Einverständnis der Gleichheit herrschte. Und doch gab es einen Umstand, der ihn von seinen Freunden unterschied. Während die anderen vier alle eine Farbe im Nachnamen verband, blieb er stets nur der farblose Tsukuru Tazaki, und so nahm er sich auch wahr: farblos... unscheinbar... langweilig... Doch war das nie ein Problem, denn ihre Gruppe schien unverwüstlich, bis er von einem auf den anderen Tag ohne Begründung ausgeschlossen wurde. Daraufhin stürzte Tsukuru in eine schwere Krise, die ihn lange verfolgte. Nach einem Jahr voller Selbstmordgedanken erholte er sich schließlich wieder, trug die Schmerzen des plötzlichen Verlusts allerdings weiterhin mit sich herum. Jetzt, sechzehn Jahre später, erzählt er die Geschichte erstmals seiner Freundin Sara, die ihm daraufhin rät, seine Vergangenheit aufzuarbeiten und sich seinen Problemen zu stellen. So begibt er sich auf die Suche nach seinen Freunden, um endlich die Gründe für seinen Ausschluss zu erfahren.  

Dieser Roman wird sehr packend aus der Sicht eines Mannes erzählt, der die Verluste seiner Jugendzeit nie überwinden konnte. Das ermöglicht einem einen sehr persönlichen Einblick in das Leben und den Charakter dieses Menschen. Doch Murakami schildert neben den depressiven Phasen am Anfang auch sehr alltägliche Empfindungen und greift auch diese Gefühle der Unscheinbarkeit und der Farblosigkeit auf, in denen man sich selbst nur allzu häufig wiederfindet. Sein Schreibstil ist sehr schön und ermöglicht einen angenehmen Lesefluss. Häufig wird die Erzählung durch kleinere Gespräche unterbrochen. In der Gegenwart meist durch solche mit seiner Freundin Sara, in der Vergangenheit, einige Jahre nach dem Ausschluss aus der Clique, sind es häufig die nächtlichen Gespräche mit seinem damals einzigen Freund, die meist sehr philosophische und surreale Wendungen nehmen. Besonders diese Gespräche und das offene Ende werfen Fragen auf, mit denen man sich, wenn man denn will, noch lange beschäftigen kann.

Allerdings gibt es, wie so häufig, auch einen klitzekleinen Kritikpunkt. Denn den Grund für Tsukurus Ausstoß aus der Gruppe, auf den ich hier nicht weiter eingehen werde, halte ich nicht für besonders überzeugend. Dabei handelt es sich um eines dieser typischen Missverständnisse, die man in so vielen Fernsehsendungen wiederfindet und die sich durch ein einfaches Gespräch hätten lösen lassen. Vor allem, da keiner seiner Freunde wirklich an seine Schuld geglaubt hat. Nachdem Haruki Murakami die Spannung so gut aufgebaut hat, war ich von der Auflösung doch ein bisschen enttäuscht. Das ist allerdings auch nur ein Kritikpunkt, weil man ja sonst nichts findet und wie ihr seht, habe ich mich wirklich ins Zeug gelegt! Andererseits bin ich mir gar nicht sicher, ob es wirklich ein Kritikpunkt ist, denn es auch sehr interessant, wie sich seine Freunde angesichts dieses Problems verhalten. In diesem Fall wäre die Absurdität sogar sehr gut. Wie ihr seht, kann ich mich noch nicht so recht entscheiden... Habt ihr das Buch gelesen, und wenn ja, was sagt ihr dazu? 

Alles in allem ist es ein wirklich gutes und mitreißendes Buch, welches nicht ohne Grund auf Platz eins der Spiegel Bestellerliste stand. Die 5 Sterne hat es sich also definitiv verdient.

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