Dunkelgrün fast schwarz
Dunkelgrün fast schwarz
17. März 2020
von Kathrin
1 Stern
Kathrin Jahrgang 2002 Redaktion Lübeck
hat 1 Stern vergeben

In dem Roman „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl geht es um die Freundschaft zweier Jungen, die sich kennen, seit sie drei Jahre alt sind. Trotz ihrer unübersehbaren Unterschiede entwickelt sich eine starke Freundschaft zwischen dem schüchternen und zurückhaltenden „Motz“ und dem selbstsicheren, überdrehten „Raf“. Zumindest erscheint es einem zunächst so. Tatsächlich stellt sich im Laufe der Geschichte heraus, dass das Wort „Abhängigkeit“ eine deutlich bessere Beschreibung der Situation ist. Denn Raffael übt – wie auch sein Vater – eine große Anziehung auf andere Menschen aus. Er manipuliert sie und zwingt ihnen so schon in jungen Jahren seinen Willen auf. Moritz ist viele Jahre lang ein Opfer dieser Manipulationen und schafft es erst als Erwachsener sich Raffaels Einflüssen zu entziehen.

Mir hat das Buch nicht gefallen. Der Schreibstil ist zwar angenehm zu lesen - Es gibt einige Passagen, die sehr schön geschrieben sind und die Perspektivenwechsel sind ebenfalls gut platziert - allerdings ist die Geschichte als Ganzes in meinen Augen nicht besonders gelungen.

Zum einen fehlen mir in diesem Buch starke Frauenrollen oder auch Charaktere, die moralisches Verständnis mit eigenständigem, starkem und selbstsicherem Auftreten verbinden. Es gibt solche Rollen zwar, allerdings findet man sie nur am Rande des Geschehens in Form von Nebencharakteren. Auch sind die Hauptfiguren nur schwer greifbar. Obwohl sie alle Gefühle, Hintergründe und persönliche Schicksale haben, wirken sie auf mich sehr platt und es fällt mir schwer, mich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Im Grunde blieben mir alle Beteiligten bis zum Ende fremd, was auch daran liegen könnte, dass sie mehr wie Stereotype wirken, denn wie wirkliche, lebende Personen. Charakterliche Ambivalenzen gibt es durchaus, aber niemals solche, die man nicht  bereits erwartet hätte. Ebenfalls anstrengend war, dass sich keiner der Erwachsenen im entferntesten Sinne verantwortungsbewusst oder dem Alter angemessen verhält. Ich frage mich, wie realistisch es ist, dass liebende Eltern konsequenzlos zur Kenntnis nehmen, dass ihre beiden Kinder beinahe durch die Idee eines gewaltbereiten und kaltblütigen Freundes sterben?

Zum anderen wirkt es leider zwischenzeitlich so, als würde dieser eigentlich spannende Plot dazu genutzt werden, Frauen in den verschiedensten Situationen sexuell zu erniedrigen. Dass sich keine dieser Frauen dem Einfluss der dominanten Männer entziehen konnte und die Vergewaltigungen als das erkannten, was sie waren, fand ich erschreckend.

Hinzu kommt noch, dass die Übermacht des Vaters und seines Sohnes auf andere Menschen nahezu allumfassend dargestellt wird. So kommt es erst auf den letzten zwanzig Seiten zu einer gezwungenen und auch nur scheinbaren Emanzipation von Moritz, die wiederum durch den dominanten Raffael selbst eingeleitet wird. Im Grunde soll diese Geschichte wohl die Einflüsse der Familie auf die Entwicklung der Kinder aufzeigen, gleichzeitig aber auch betonen, dass diese Übertragung der eigenen Wertvorstellungen und Vorgehensweisen keinesfalls determinierend wirkt. Da die Loslösung von Moritz allerdings nur scheinbar selbstbestimmt ist, verflüchtigt sich dieser zweite Aspekt der Interpretation sehr schnell.

Alles in allem kann ich dieses Buch kaum empfehlen. Sicher vertreibt es für ein paar Stunden die Langeweile der Corona-Quarantäne, wirklich Spaß macht es dabei aber nicht. 

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