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Engel haben keinen Hunger: Katrin L.: Die Geschichte einer Magersucht
03. Oktober 2010
von Fee
4 Sterne
Fee Jahrgang 1993 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Kathrin wünschte ihren Eltern eine gute Nacht, sie bestand darauf, allein die Treppe hochzugehen.
Anna und Christian saßen im Wohnzimmer und lauschten.
Jedes Mal, wenn das Trapp-Trapp verstummte, hielten sie den Atem an und stellten sich vor, wie viel Kraft es sie kostet, sich mühsam am Geländer hochzuziehen.
Kurz darauf ging Anna, wie jeden Abend, zu ihr.
Sie setzte sich auf die Bettkante und streichelte sie.
„Mama, mir ist so kalt“, flüsterte Katrin.
„Ich massiere dir die Füße, das hast du doch so gern.“
Sie flüsterten noch ein wenig miteinander. Anna sah, dass Katrins kleine Bibel aufgeschlagen neben ihr lag.
Sie hatte mit Kugelschreiber den Psalm 121 eingekringelt, in dem es heißt:
„Der Herr wird nicht zulassen, dass du fällst; Er, dein Beschützer, schläft nicht… Er gibt auf dich Acht, wenn du aus dem Hause gehst und wenn du wieder heimkehrst…“

Am nächsten Morgen ist Kathrin tot. Sie war 19 Jahre alt, 1,76 m groß und 28 Kilo leicht.
Herz-und Kreislaufversagen haben die Ärzte diagnostiziert.
Die Folge einer Magersucht. Doch wie konnte es dazu kommen?
Sie war immer ein beliebtes Mädchen, hübsch, von Jungs umschwärmt und ihrer Familie geliebt.
Doch mit dem Traum einer Modelkarriere kam das Ziel, so schlank wie die Topmodels zu werden.
Und sie fing mit einer Diät und viel Sport an, um dieses Ziel zu erreichen.
Doch leider entkam Katrin dem Teufelskreis aus Abnehmen und geringem Selbstvertrauen nicht mehr und vier Jahre nach Ausbruch der Krankheit war sie tot.
In diesem Buch erzählt Brigitte Biermann anhand von Tagebucheinträgen und Gesprächen mit den Eltern und der Schwester die Geschichte Kathrins von Beginn der Krankheit und ihrem Ende.

Dieses Buch hat mich erschüttert und mir ist klargeworden, dass Magersucht nicht einfach nur ein Modetrend sondern eine schlimme Krankheit ist.
Ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass viele Mädchen in meinem Alter mit ihrem Körper unzufrieden sind und Diäten machen.
Doch diese können schon der Anfang einer Magersucht sein und unerkannt bleiben, wenn die Krankheit schon längst ausgebrochen ist.
Brigitte Biermann erzählt sachlich und macht die Geschichte mit den Tagebuchauszügen authentischer.
Die Gedichte, die Kathrin immer wieder in ihr Tagebuch geschrieben hat, waren sehr bewegend und das Buch hat mich am Ende zu Tränen gerührt.

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