Engel+Joe
Engel+Joe
26. Dezember 2008
von Nathalie
3 Sterne
hat 3 Sterne vergeben

Engel + Joe erschien im August 2007 für 7,95 € im Carlsen-Verlag.  Geschrieben wurde diese außergewöhnliche Liebesgeschichte von Kai  Hermann. Im heutigen Berlin lebt die 15-jährige Joe mit ihrer Mutter und  deren Freund in einer normalen Wohnung. Alles ist normal bis auf die  Tatsache, dass Joe das Familienleben satt hat. Sie haut von zu Hause ab  und trifft auf dem Alexander-Platz auf den 17-jährigen Punk Engel. Engel  und seine Freunde führen ein Leben zwischen Alkohol, Drogen und Sex.  Zwischen den beiden funkt es gewaltig und auch nach einigen heftigen  Auseinandersetzungen halten die beiden fest zusammen. Bis es zu einem  scheinbar unlösbarem Problem kommt…

Ausschnitt aus Engel + Joe:
Er wacht früh auf. Weil die Amseln zu laut singen. Zwischen den  Säulen sitzen Tauben und beäugen ihn. Er wartet bis halb acht. Sammelt  ein paar Kiesel von einem Grab. Geht los. Er wirft die Kiesel gegen das  Fenster von Joes Zimmer. Sieht sie hinter der Scheibe. Sie lacht. Macht  das Fenster einen Spalt auf. Flüstert etwas. Rudert mit den Armen rum.  Fünf Minuten später kommt sie angerannt. Lässt die Tasche fallen. Hängt  sich an seinen Hals. „Wo kommst du denn jetzt her?“ „Bring dich zur  Schule. Hab ich doch gesagt.“ „Engel, Spinner. Dass du das wirklich  machst.“ Sie umarmen sich wieder. Joe muss sogar ein bisschen weinen.  Zorro fragt: „Wie war’s, Prinzessin?“ „Beschissen… “Wir haben uns solche  Sorgen gemacht.“ Die ganzen Sprüche rauf und runter. Ach, eigentlich  ging’s.“ „Hat der Typ gegeiert?“ „Quatsch. Er will mir doch auch nicht  wirklich an die Wäsche.“ „Ich mach ihn sonst auch tot.“ „Musst du nicht.  Der geht mir so was von am Arsch vorbei. Seit ich dich habe.“ „Der  Mansch brauch etwas, was er echt mag.“ „Ey? Ja, logisch. ich habe dich  irre vermisst.“ „Ich war ziemlich dicht bei dir.“ „Wieso?“ „Auf dem  Friedhof. Weil ich nie wieder so weit weg sein will von dir.“ „Engel,  Spinner. Du bist gigantisch süß.“ Sie gehen den Weg zu Schule. Zorro  trägt die Tasche. Joe bleibt plötzlich stehen. „Weißt du was? Ich rasier  mir die Haare bis hier ab.“ Sie zeigt mit dem Finger eine Handbreit  über dem Ohr auf den Kopf. „Oben mach ich sie blau. Oder grün.  Jedenfalls nicht rot wie Asi.“ Zorro guckt sie an. „Wieso denn das auf  einmal?“ „Weil es mir egal ist, was Mama oder ihr Typ sagen.“ „Nee.“  „Wieso nee?” “Weil du die Haare dranlässt.“ „Ey, warum denn das?“ „Weil  deine Haare schön sind.“ „Keine bei euch läuft mit so einer  Spießerfrisur rum. Ich meine, so akzeptieren die mich doch nie.“ „Lass  stecken. Du bist nicht wie die anderen.“ Zorro streichelt Joe übers  Haar. „Ich will, dass du sie wachsen lässt. Bis zum Arsch.“ „Ich dachte,  du findest es cool, wenn ich das mache.“ „Ich finde dich megacool, wie  du bist.“ „Da ist die Schule.“ „Ich hol dich ab.“

Engel + Joe ist in einer derben Umgangssprache geschrieben. Es ist  ein wenig erschreckend, wie leicht Joes Geschichte einem selber  passieren könnte. Man fühlt mit Joe, aber auch mit Engel. Das Buch hat  ein leicht offenes Ende, aber es ist nicht schwer sich den Ausgang zu  denken. Vergleichbar ist das Buch mit Elfte Woche, Katies Entschluss  oder White Angel. Es ist gut, wenn auch ziemlich heftig.

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