Im Regen stehen
10. April 2020
von Jan
4 Sterne
hat 4 Sterne vergeben

„Wir waren jetzt hier, hier war zu Hause.“

So beendet der damals fünfjährige Zoran den ersten Absatz – und beginnt den Roman „Im Regen stehen“, in dem er die ersten acht Jahre seines Lebens Szenenhaft beschreibt.

Berlin besteht aus einer Straße, der Schule, einem Supermarkt, dem Fußballplatz um die Ecke, einer Wohnung und der junge Zoran Drvenkar ist glücklich, als er sein eigenes Zimmer bekommt. Auf der Straße findet er drei Freund; einer von ihnen kennt den idealen Fußballplatz und ihre heißen Sommernachmittage sind gerettet. Dann geht es los: die Trennung der Eltern, die ersten kleinen Liebesgeschichten, Sommerurlaub. Diebstahl, Schulstress, Lesen, der Traum vom Schreiben am Horizont. Erst am Schluss des Buches fällt mir auf, dass hinter mir eine halbwegs klassische Coming-of-Age-Geschichte liegt, wenn auch als Autobiographie.

Das Besondere am Roman ist, dass nicht eine Zusammenhängende Geschichte erzählt wird, sondern dass der Autor für jede Wendung oder Beschreibung im Charakter des Jungen eine andere Szene herauspickt. So entsteht ein mosaikartiges Bild der Straße, des Protagonisten, seiner Freunde, dass mich bis zur letzten Seite, bis der letzte Vorhang gefallen ist, in seinen Bann gezogen hat.

Die Geschichte an sich ist dramatisch aufgezogen und nicht ohne Spannung. Ohne dass Erzähltalent von Zoran Drvenkar, könnte man sie vielleicht als mittelmäßig bezeichnen, doch mit der authentischen Stimme des jungen Zoran im Ohr, ist das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung Wert – die 239 Seiten rauschen in jeder Stimmung an einem Vorbei.

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