Kompass ohne Norden
08. August 2019
von Jan
5 Sterne
hat 5 Sterne vergeben

„Zwei Dinge weist du. Erstens: Du warst da. Zweitens: Du kannst nicht da gewesen sein. Diese beiden unvereinbaren Wahrheiten gleichzeitig festzuhalten, erfordert Jongliergeschick.“


Wie leicht man dabei durcheinanderkommt, wie leicht es passieren kann, dass die Bälle plötzlich unkontrolliert durch die Luft jagen und zu einem alles verschlingenden Strudel werden – das zeigt Neil Shusterman in seinem Roman „Kompass ohne Norden“ um den schizophrenen Protagonisten Cayden.

Sehr schnell wird deutlich, dass Cayden ein ganz normaler amerikanischer Junge ist. Er trifft sich mit seinen Freunden, malt für seine Schwester und geht zur Schule.

Die Schizophrenen Momente sind zu Anfang eher selten gestreut. Hin und wieder ist Cayden nicht in seinem Körper, sondern auf einem schiff, er spricht mit dem kapitän und kommt seiner Rolle als Stabilisator nach: Er rennt von einer Seite des Schiffes zur anderen um den Wellengang auszugleichen. Er flieht aus seinem Körper, reist einmal durch die Erde und hat plötzlich Angst, in China ein Erdbeben ausgelöst zu haben.

In kurzen Eindrücke, die im Verlauf der Geschichte immer häufiger werden, schilder Shudterman Caydens Leben. Wie zufällige Träume erscheinen dem Leser die sehr kurzen Kapitel durch sprunghafte Themenwechsel und unvorhersehbare Wendungen oder Logiken. Doch gerade dieser Stil, der es schwer macht, etwas anderes als poetische kurzgeschichten oder gar einen roten Faden zu erkennen, hat mir das Gefühl gegeben, ein kleines Stück von Cayden zu verstehen, denn eine Geschichte wurde trotzdem nicht nur auf der „realen“ Ebene erzählt., so dass das Buch zum Ende hin tatsächlich noch einmal ziemlich spannend wurde.

Die Geschichte wird begleitet von den zeichnungen, die Brendan shusterman, der Sohn des Autoren in einer schizophrenen Phase angefertigt hat.

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