Kriegszeiten
Kriegszeiten
06. März 2013
von Freya
5 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

Auf so ein Buch stößt man nicht alle Tage: „Kriegszeiten“ ist eine  dokumentarische Graphic Novel. Eindrucksvoller und nachdrücklicher als  ein Sachbuch, bildgewaltiger und atmosphärisch dichter als eine  TV-Dokumentation zeigt es den Afghanistaneinsatz der deutschen  Bundeswehr in einem ganz neuen Licht.  Vielleicht ist es kein schönes Buch. Aber das wird auch nicht die  Absicht des Autors David Schraven gewesen sein. Vielmehr dokumentiert er  nach aufwendiger Recherchearbeit das, was in den deutschen Medien viel  zu selten thematisiert wird: Den Krieg in Afghanistan. In Interviews,  vertraulichen Unterlagen der Bundeswehr und alten Fernsehaufnahmen  erzählt er von Kämpfen, den Schwierigkeiten der „Aufbauhilfe“ und dem  Verhalten der deutschen Politiker. Die Nüchternheit der Reportage lässt  den Leser die Problematik besser begreifen, ohne belehrend aufklärerisch  den Zeigefinger zu erheben. Klare Sätze und anschauliche Details prägen  Schravens Sprache. Die Zeichnungen von Vincent Burmeister sind düster  und dreifarbig. In Nahaufnahmen, Landschaftsansichten und schattenhaften  Porträts fängt er die Stimmung zwischen Soldaten, Politiker und  Warlords ein. Mit dem Buch lernt man verstehen, was in Afghanistan  geschah und geschieht. Die erschreckendste Erkenntnis ist wohl, wie  wenig man von all dem in Deutschland mitbekommt. „Kriegszeiten“ weckt  auf und stimmt nachdenklich. Nach dem Lesen bleibt das Gefühl zurück,  von Politik und Medien für dumm verkauft worden zu sein.

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