Moby-Dick - Ein Pop-Up-Buch
Moby-Dick - Ein Pop-Up-Buch
26. Mai 2020
von Rina
4 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

„Nennt mich Ismael.“

So beginnt „Moby-Dick“ – im 900 Seiten langen Buch aus dem 19. Jahrhundert ebenso wie in dieser Comic-Pop-Up-Version. Das Buch ist eine Adaption des englischen Klassikers, das die Grundzüge der Geschichte im Comic-Stil erzählt und dazu die wichtigsten Szenen im Pop-Up-Stil aufgreift.

Es ist auf jeden Fall zu sagen: Die Idee, „Moby-Dick“ zu einem Pop-Up-Buch zu machen, finde ich grandios. Die Gestalten vom Wal ebenso wie vom Schiff oder Kapitän Ahab liefern fantastische Motive. Ich glaube auch, dass es eine gute Idee ist, Kindern von klein auf einige Klassiker näherzubringen. Und bei mir hat das mit diesem Buch früher ziemlich gut funktioniert. Es ist eine Art Kompromiss zwischen einem Klassiker und der Aufmerksamkeitsspanne der Zielgruppe. Die Geschichte ist natürlich mehr als radikal gekürzt; es kommt dennoch das meiste der Grundidee und des Hauptplots rüber. Aber einiges bleibt auch auf der Strecke. Von ganzen Passagen des Plots mal abgesehen, wird beispielsweise die Besessenheit Ahabs zwar erwähnt, doch nicht stark genug verdeutlicht. Das bietet dieses Medium auch kaum.

Ich habe das originale „Moby-Dick“ von Herman Melville nie gelesen, daher fällt es mir schwer zu beurteilen, wie nah an der Geschichte, den Charakteren und der Atmosphäre der Vorlage das Werk von Sam Ita ist. Jedoch macht es mir das einfacher, den Fluss und Zusammenhang innerhalb dieser neuen Geschichte zu sehen.

Es wird von Ismael erzählt, der auf einem Walfangboot anheuert, und seiner tiefen Freundschaft mit einem „edlen Wilden“, der deswegen mit ihm fährt. Auf dem Schiff erfährt die Mannschaft von Kapitän Ahab, dass sie nicht Wale, sondern einen ganz bestimmten Wal fangen wollen: Moby-Dick, der weiße Wal. Die Jagd ist das Leben von Ahab und somit auch das seiner Mannschaft. Auf der Fahrt erkrankt Ismaels Freund und lässt sich bereits einen Sarg zimmern. Genau dieser rettet später Ismael das Leben, als Moby-Dick bei der finalen Konfrontation das Schiff zerstört und er als einziger überlebt.


Das Handwerk dazu ist fabelhaft: Erstaunlich detaillierte Pop-Up-Szenen, die der Fokuspunkt jeder Doppelseite sind, kleinere Dinge zum Entdecken wie unter Klappen verborgene Bilder und bewegliche Elemente sowie ein Zeichenstil, der wunderbar zur Geschichte passt. Und wenn man nicht allzu roh damit umgeht, wird einem dieses Buch in seiner vollen Pracht für viele Jahre erhalten bleiben.


„Moby-Dick – Ein Pop-Up-Buch“ ist ziemlich gut. Als Nicht-mehr-Kind kann man das Handwerk und die Bilder vielleicht noch etwas staunender betrachten, während die Geschichte eher in den Hintergrund rückt. Für Kinder ist ein schönes und gut gemachtes Buch, aber die Geschichte sollte eher in Anlehnung an das Original als als eine Adaption für jüngeres Publikum betrachtet werden. Die empfohlene Altersspanne ist 6 bis 8 Jahre; da bin ich zwar nicht mehr drin, vermute allerdings, dass dieses Alter weder schon alleine dieses Buch verstehen noch damit umgehen kann. Ich denke, dass Sam Ita sich im Raum zwischen „einfach genug für Kinder, aber mit dem Buch hat das nichts mehr zu tun“ und „die Hauptpunkte werden toll umgesetzt, aber es ist ein Buch für Jugendliche und Erwachsene“ bewegt. Beide Optionen hätte mir besser gefallen.


Ich habe die deutsche Erstausgabe von 2009 beim Knesebeck-Verlag gelesen. Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich.

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