Mr.Vertigo
Mr.Vertigo
06. Februar 2018
von Kathrin
4 Sterne
Kathrin Jahrgang 2002 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

„Du bist nicht besser als ein Tier, ein menschliches Nichts. Wenn du bleibst, wo du bist, wirst du das Ende des Winters nicht erleben. Wenn du aber mit mir kommst, bringe ich dir das Fliegen bei.“

Walter ist neun, ein kleiner Straßenjunge in St.Louis, der buchstäblich von der Hand in den Mund lebt, als Meister Yehudi ihn unter seine Fittiche nimmt und verspricht, ihm das Fliegen beizubringen. Der schlagfertige Walter bleibt zwar zunächst skeptisch, nimmt das Angebot aus Mangel an Alternativen schließlich doch an. 

In seinem neuen Zuhause angekommen, muss er erst seine Vorurteile und später eine ganze Reihe qualvoller Aufgaben überwinden. Die Vorurteile lässt er schnell hinter sich. Seine indianische Ziehmutter und sein afrikanischer Ziehbruder sind einfach zu liebenswürdig, um lange auf vorgefassten Meinungen zu bestehen. Die Aufgaben sind da schon eine andere Nummer und bringen ihn sowohl psychisch, als auch physisch an seine Grenzen. So muss er einmal das letzte Glied seines linken, kleinen Fingers abschneiden, oder ein anderes Mal eine Nacht lebendig begraben unter der Erde zubringen. Doch laut dem Meister sind all diese Prüfungen ein unverzichtbarer Bestandteil des Weges, den er bestreiten muss, um das Fliegen zu erlernen.

Und die Mühe ist nicht vergebens:

Schon bald hebt Walter zum ersten Mal vom Küchenboden ab.

Nun folgen Jahre des Erfolgs und des gesellschaftlichen Aufstiegs. Bald ist er der meistgefragteste Artist Amerikas und reist mit Meister Yehudi durchs ganze Land. Doch zuvor müssen sie viel einstecken, und als der Ku-Klux-Klan auf die Familie aufmerksam wird, und Mutter und Bruder vor den Augen der beiden brutal abschlachtet, werden sie in einen Abgrund der Trauer und Machtlosigkeit gerissen, aus dem sie sich nur schwer befreien können. Tatsächlich wird das allerdings nicht das letzte Mal sein, dass Walter auf Widersacher trifft und auch der spätere Erfolg bringt zahllose Probleme mit sich. Doch als es mit dem Fliegen jedoch plötzlich vorbei ist, sind alle seine Träume zerstört. 


Paul Auster`s Mr. Vertigo ist ein wunderbar abgedrehtes Buch, das seine surrealen Momente gleichzeitig so realistisch einbindet, dass man nicht wagt, an ihnen zu zweifeln. Es lässt sich gut lesen und ist wunderschön geschrieben. Besonders die Dialoge zwischen dem Meister und dem nicht weniger schlagfertigen Walter sind sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Allerdings ist es kein Buch, das lange nachhallt. Es regt weder zum Nachdenken an, noch ist die Geschichte besonders einzigartig. Paul Auster stellt zwar wieder einmal seinen schönen Schreibstil unter Beweis, allerdings ist und bleibt es ein Unterhaltungsroman. Das ist an sich auch nichts Schlechtes, man sollte nur nicht mehr erwarten, oder hineininterpretieren. Es gibt durchaus einige Wendungen, die zwar nicht besonders originell, aber sehr spannend beschrieben sind. Und auch die vielen kleinen Details entwickeln einen Charme, dem man während des Lesens kaum widerstehen kann. 

Alles in allem ist es ein schöner Roman, der beim Lesen Spaß macht, und den ich auch gut und gerne anderen Jugendlichen weiterempfehlen würde.

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