Pandemonium
Pandemonium
20. November 2012
von Kim
4 Sterne
Kim Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Lena ist nicht mehr dieselbe. Seit sie den Zaun überquert hat, ist sie jemand anders geworden. Hat alles hinter sich gelassen. Auch Alex. Alex, der ihr überhaupt erst von der Wildnis erzählte. Alex, der sie mit der Deliria angesteckte. Alex, der es nicht über den Zaun geschafft hat. Die neue Lena hat sich dem Widerstand angeschlossen, der sie nach einer harten Zeit in den Wäldern wieder zurück in die Großstadt führt. Denn der Krieg zwischen Freiheit und Ordnung hat begonnen und er brodelt längst nicht mehr nur unter der Oberfläche.
„Die alte Lena hätte große Angst vor einer Lehrerin wie Mrs Fierstein gehabt. Sie ist alt und streng und sieht aus wie eine Kreuzung aus einem Frosch und einem Pitbull. Mrs Fierstein ist einer dieser Menschen, die das Heilmittel überflüssig erscheinen lassen – unmöglich sich vorzustellen, dass sie jemals in der Lage wäre zu lieben, selbst ohne den Eingriff. Aber die alte Lena gibt es nicht mehr.
Ich habe sie beerdigt.
Ich habe sie auf der anderen Seite eines Zauns zurückgelassen, hinter einer Wand aus Rauch und Feuer.“

Pandemonium lebt von der Spannung, was wohl als nächstes passieren wird. Denn dieses Buch enthält gleich zwei Geschichten. Lena erzählt ihre Erlebnisse parallel, einmal im hier und jetzt und einmal in der Zeit, gleich nachdem sie den Zaun überquerte. Beide Seiten sind gleichermaßen gefüllt mit Geschehnissen, ein Erlebnis jagt das nächste und durch einen mehr oder wenig rasanten Wechsel entsteht stets eine gewisse Abwechslung in der Handlung und der Drang danach, möglichst schnell mehr von Lenas Vergangnheit und ihrem gegenwärtigen Leben zu erfahren. Lauren Oliver erschafft dabei mit ihrer Sprache eine völlig neue Welt, die obwohl so fremd, mir als Leser doch sehr vertraut vorkam. Sie füttert den Leser dabei gerade mit genug Details und Informationen, um sich die Szenerie gut vorstellen zu können – nichts wirkt überladen oder unauthentisch – und lässt dabei doch genug Spielraum für die eigene Fantasie. Zwischen all den Dystopien, die momentan in Umlauf sind, finde ich Pandemonium immer noch erfrischend, da die Handlung trotz allem am Boden und damit realistisch bleibt und man nicht das Gefühl hat, man fände sich in einem Science-Fiktion-Roman ohne Bezug zur Realität wieder. Auch wenn es um ein liebesfreies Amerika geht und damit klar ist, dass es um gerade das Gegenteil, also die Liebe als verbotene Tätigkeit gehen muss, nimmt diese Vorahnung einem doch nicht die Lust auf Lenas Geschichte. Ein wirklich gelungener zweiter Teil, der einen am Ende zwar doch ziemlich in der Luft hängen lässt, damit aber spannendes ahnen lässt in Hinblick auf das finale Buch, auf das wir hoffentlich nicht allzu lange warten müssen.

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