Paradiessucher
Paradiessucher
24. März 2013
von Freya
5 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

Přerov ist eine Kleinstadt mitten in der Tschechoslowakei. Es ist  Sommer, 1986, und Lenka ist 17 Jahre alt. Hier hat sie ihre Kindheit  verbracht. Hier lebt ihre Familie. Hier leben ihre Freundinnen und auch  Pavel, ihr Freund. Und trotzdem. Als sie und ihre Mutter ein  zweiwöchiges Visum für Deutschland erhalten, weiß sie genau: Das ist  ihre Chance, in den Westen zu fliehen. Endlich die Kleidung tragen zu  können, die sie will. Endlich Schauspielerin werden zu können. Endlich  alles zu tun, worauf sie Lust hat. Lenka und ihre Mutter packen ihre  Koffer. Nicht viel kann mit,  schließlich  soll bloß niemand an der Grenze auf die Idee kommen, sie würden nicht  wieder zurückfahren. Der Abschied fällt schwer. Die Fahrt ist lang. Und  Deutschland? Das ist lange nicht so, wie Lenka und ihre Mutter es sich  erträumt hatten.

Ein tolles Buch! Lenka ist mitten im Leben. Ehrlich, humorvoll und  manchmal auch dreist direkt schildert sie ihre Erlebnisse. Jede Seite  fühlt man sich hautnah bei ihr, in ihren Hoffnungen, in ihren Zweifeln,  in ihrer Wut und ihrer Freude. Für mich war es eine völlig neue  Geschichte. Die Aufteilung in Ost und West habe ich nie miterlebt. Was  das eigentlich für eine Jugendliche in meinem Alter bedeutet, war mir  vor „Paradiessucher“ nie so richtig klar. Zugegeben, alles, was  die Einwanderung nach Deutschland, die Ängste und die Hoffnung, die  Parallelwelt des Asylantenlagers und das ständige Damoklesschwert der  Abschiebung betrifft, wurde mir erst beim Lesen bewusst. In diesem Sinne  schafft Rena Dumont es zu lehren, ohne den Zeigefinger zu erheben. Sie  erzählt eine berührend menschliche Geschichte. Schnörkel-, aber nicht  gefühllos. Sondern so nah und lebendig, das man das Gefühl hat,  gemeinsam mit Lenka und ihrer Mutter ausgewandert zu sein.
Es gibt noch so viele weitere tolle Dinge, die ich über dieses Buch sagen könnte, aber die Hauptsache ist: Selber lesen!

Freya Schwachenwald

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