Sommer ist trotzdem
Sommer ist trotzdem
01. Juni 2020
von Rina
5 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

Es ist Sommer. Und sie ist am Meer bei Oma und Opa. Wie immer. Nur, dass Papa jetzt nicht mehr zu Hause auf sie wartet. Aber Sommer ist trotzdem.

Der Vater der Protagonistin, die, wie ich glaube, nie beim Namen genannt wird, ist gestorben. Den folgenden Sommer verbringt sie aber wie üblich bei ihren Großeltern. Sie sehen Wale, gehen baden, essen Waffeln – Sommer eben.

Ich finde dieses Buch wirklich großartig. Es greift nicht so sehr das Thema der Trauer auf als dass es vielmehr die Traurigkeit der Protagonistin deutlich macht. Der Leser weiß nicht, wie die Sommer davor waren, aber er merkt, dass die Gedanken anders sind. Dass Tod, Verlust und Angst eine Rolle spielen, die sonst wohl anders wäre. Die Geschichte wird von der Ich-Erzählerin nicht erzählt, sondern gelebt. Man liest, was sie erlebt und denkt, manchmal plötzliche Sprünge, dann Ideen aus dem Nichts oder Beobachtungen der Welt drumherum. Dabei dreht es sich nicht nur um den Tod des Vaters, sondern ganz einfach um den Sommer wie er kommt.

„Sommer ist trotzdem“ hat zwar einen Plot, aber das, was mich beim Lesen gehalten hat, ist der Stil. Dass auch unscheinbare und unnütze und unzusammenhängende Gedanken, die ein Mensch eben so hat, auch genau so da stehen, macht das ganze sehr authentisch und die Traurigkeit umso echter. Das sticht auch mal in offene Wunden, oder welche, die noch nicht ganz verheilt sind. Dann ist eine Pause mal ganz gut, um mit seinen eigenen Erinnerungen und Emotionen umzugehen. Die Ich-Perspektive ohne zu viele Details über die Protagonistin selber sorgt auch dafür, dass sich die allermeisten mit ihr werden identifizieren können. Ich konnte es und bin ganz sicher keine elf mehr. Die Verbindung geht über einen Verlust, den man vielleicht auch erlitten hat, und die Verarbeitung davon. 

„Sommer ist trotzdem“. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Etwas Schlimmes ist passiert, aber auch der Sommer passiert. Und das ist auch gut so, obwohl es das nicht immer einfacher macht. Der Erzählstil hat mich wirklich in diese Welt und Gedankenwelt eintauchen lassen. Wer jemanden verloren hat – wen auch immer, wie auch immer –, könnte hier eine Leidenskompanin finden.

Ich habe die deutsche Übersetzung aus dem Norwegischen gelesen, erschienen 2020 beim Thienemann-Verlag.

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