The Dilbert Principle
The Dilbert Principle
26. April 2020
von Rina
4 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

„The Dilbert Principle“ wurde vom ehemaligen Büroangestellten Scott Adams verfasst. Es ist ein satirischer New York Times-Bestseller und die Idee dazu entstammt Adams‘ Cartoon „Dilbert“ sowie einem Artikel von ihm über das Dilbert-Prinzip, der im Wall Street Journal veröffentlicht wurde. Es wurde erstmals 1996 vom Boxtree-Verlag im Vereinigten Königreich veröffentlicht.


Das Dilbert-Prinzip: Alle Menschen sind Idioten. Alle.

Und dieses Buch ist daraus entstanden, dass das in der Arbeitsumgebung am einfachsten festzustellen ist. Ironischerweise dreht sich dieser Ratgeber nach den ersten zehn Seiten darum, wie man die Idioten um sich herum zu seinem Vorteil manipulieren kann, obwohl das als Idiot ja eigentlich schwierig sein sollte. Um klar zu sein: „The Dilbert Principle“ ist kein normales Sach- oder Selbsthilfebuch.Vielmehr wage ich zu bezweifeln, inwieweit die Aussagen und Tipps in diesem Buch sinnvoll anzuwenden sind. Aber dafür haben sie einen ganz anderen Zweck: Sie unterhalten. Ein halb-humoristisches Buch, das sich aus Schilderungen von schwachsinnigen Methoden der Manager, der Unfähigkeit einfach aller und der Unsinnigkeit des typischen Büro-Arbeitslebens ebenso wie aus Tipps zur Vermeidung von tatsächlichem Arbeiten (wofür man eh nicht bezahlt werden würde), sodass man als außerordentlich unnötige Arbeitskraft ins Management befördert werden kann (wo die Vermeidung von Arbeit nicht einmal mehr nötig ist) zusammensetzt.

Als jemand ohne Erfahrung in diesem Bereich gibt dieses Buch mir erstaunlich tiefe Einblicke in das Arbeitsleben im Großraumbüro in den 1980/90er-Jahren. Ich weiß jetzt etwas mehr als ich eigentlich wissen wollte über Downsizing, Reengineering, die Hierarchie von Angestellten und Büromobiliar sowie über die allgemeine Idiotie der Bosse, Firmen und Wirtschaft. „Dilbert“ war zu der Zeit wohl der klassische Angestellte: Er hat die gleichen Probleme wie alle anderen und daher konnte man sich wohl leicht mit ihm identifizieren. Auch wenn mir sicherlich einige Nuancen des Humors entgangen sind, konnte selbst ich als Jugendliche in den 2020ern, die Pager und Faxgeräte nur selten erlebt hat, darüber schmunzeln.

Das Buch ist eine Kombination von Text, Comic-Strips der Serie „Dilbert“ und E-Mails mit Erfahrungsberichten, die Scott Adams erhalten hat. Das sorgt dafür, dass es nicht zu langweilig wird, wobei daran die bloße Form des Textes mit allerlei kreativen Vergleichen und witzigen „Do‘s vs. Do not‘s“ ihren Anteil hat. Allerdings wird die Balance nicht immer eingehalten: Es gibt teilweise erschöpfend lange Textpassagen und besonders nach dem Kapitel „Leaders“ gibt es statt der üblichen ein bis drei Seiten an E-Mails ganze 16 Seiten davon. Die Comic-Strips sind im Allgemeinen gut verteilt, doch ein paar scheinen geradezu zufällig eingeordnet zu sein und die Doppelten sind nicht gerade spannend.

Das Buch ist 330 Seiten lang und hat etwa in der Mitte einige Kapitel, die von Wiederholungen übersät und auch sonst nicht sonderlich spannend geschrieben sind. Davor und danach ist es toll, aber das nagt wirklich am Lesevergnügen.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich nicht zwischen Sachbuch und Komödie entscheiden kann. Denn es ist keines davon; es schwebt irgendwo dazwischen. Man lernt einiges, aber nicht soviel, dass man sich vom Wissen belästigt fühlt und es ist unterhaltsam, ohne dass es einen zum lauten Lachen bringt. „The Dilbert Principle“ bewegt sich mehr in dem Bereich von „Interessant!“, „Ich lese es gerne noch einmal, obwohl und weil ich beim ersten Mal nicht alles verstanden habe.“ und „Wirklich keine Ahnung, welches Genre es ist.“ Kurzum: Ein ungewöhnliches Buch, das außerhalb der 90er wohl keinen großen Anwendungswert hat, es aber trotzdem wert ist, gelesen zu werden.


Anmerkungen zum Lesen:
Ich mag dieses Buch wirklich sehr, aber es liest sich relativ langsam. Das kommt zum Einen daher, dass das Englisch zwar gut verständlich ist, aber das Vokabular sich mehr als gewohnt auf der bürokratischen Seite bewegt. Zum Anderen sind die feineren Details der Zusammenhänge von Dingen wie Marketing, Budget und Management zumindest mir größtenteils unbekannt, sodass es eine gewisse Eingewöhnungsphase braucht. Ebenso wenn man wie ich die „Dilbert“-Cartoons nicht kennt und erst einmal kennen lernen muss (auch so waren die Comicstrips sehr amüsant und bald leicht verständlich). Außerdem ist es empfehlenswert, dieses Buch nicht an einem Stück zu lesen (dafür ist es doch zu schwere Lektüre), sich die Punkte zum Pausieren aber möglichst zwischen die Kapitel zu legen, da es sonst passieren kann, dass man in der Struktur mit vielfach unterteilten Kapiteln den Faden verliert.
Ich habe die englische Originalausgabe aus dem Jahr 1997 gelesen.

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