Tintenherz
Tintenherz
11. September 2010
von Gast, Marie B.
Ø 5 Sterne
hat 5 Sterne vergeben

Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen. Noch viele Jahre später musste Meggie bloß die Augen schließen und schon hörte sie ihn, wie winzge Finger, die gegen die Scheibe klopften. Irgendwo bellte ein Hund, und sie konnte nicht schlafen, so oft sie sich auch von einer Seite auf die andere drehte. Unter ihrem Kissen lag ein Buch, in dem sie gelesen hatte. Es drückte den Einband gegen ihr Ohr, als wollte es sie wieder zwischen seine bedruckten Seiten locken. ,,Oh, das ist bestimmt sehr bequem, so ein eckiges, hartes Ding unterm Kopf“, hatte ihr Vater gesagt, als er zum ersten Mal ein Buch unter ihrem Kissen entdeckte. ,,Gib zu, es flüstert dir nachts seine Geschichten ins Ohr“…
Die Dunkelheit war blass vom Regen und der Fremde war kaum mehr als ein Schatten. Nur sein Gesicht leuchtete zu Meggie hinüber.

Wer ist Staubfinger, der Fremde, wirklich? Und wer ist Capricorn, wer Zauberzunge? Antworten findet Meggie in einem alten ligurischen Bergdorf – und in einem Buch. TINTENHERZ.

Tintenherz ist ein wunderbares Buch, das voll ist von der Magie der Wörter. Frau Funke führt die Leser mit ihrer wundervollen Sprache in eine Welt der Buchstaben, Fabelwesen und in ein Dorf mit verwinkelten Gassen,verlassenen Häusern, hoch oben in den Bergen Italiens. Jeder Büchernarr wird dieses Buch lieben und verstehen, warum Menschen für ihre Bücher alles tun würden und ihre Bibliothek hüten wie einen Schatz, wie Meggies Tante, oder Bücherarzt werden, wie Mo, es ist.
Cornelia Funke schreibt: Manche Bücher müssen gekostet werden,
manche verschlingt man,
und nur einige wenige kaut man
und verdaut sie ganz.

Tintenherz ist letzteres. Es ist wirklich eine ganz besondere Geschichte in einem wunderbaren Buchdeckel. Dieses Buch ist ab ca.10 Jahren geeignet und ich vergebe fünf leuchtende und fette Sterne.

hat 5 Sterne vergeben

„Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner wispernder Regen…“

 Meggie liebt Bücher genau wie ihr Vater Mo, der mit seiner bezaubernden Stimme Bilder in die Luft malen kann, wenn er Geschichten erzählt. Und Geschichten hat er Meggie schon immer viele erzählt, nur vorgelesen hat er ihr nie.Den Grund dafür erfährt Meggie durch einen Fremden, der eines Nachts plötzlich vor ihrer Haustür steht und so einen seltsamen Namen hat: Staubfinger.Er verhält sich komisch und scheint nicht wirklich in diese Welt zu passen und außerdem nennt er ihren Vater „Zauberzunge“.Staubfingers Lächeln ist spöttisch und so unendlich traurig, er macht Meggie Angst. Und auch Mo scheint diesen Mann zu fürchten, woher er ihn kennt, will er Meggie nicht sagen. Er packt stattdessen ihre Koffer und verschwindet mit Meggie zu ihrer Großtante Elinor, einer unfreundlichen Person, die Meggie nicht ausstehen kann. Meggie bemerkt, dass ihr Vater auch ein Buch mit zu Elinor nimmt, ein Buch, um das er große Angst zu haben scheint.Doch Staubfinger folgt Meggie und Mo, er weicht kaum noch von Mos Seite.Nur in der einen Nacht, in der plötzlich fremde Männer in Elinors Haus auftauchen und Meggies Vater entführen, ist er nicht da, um ihm zu helfen.Dafür hilft er Elinor und Meggie, Mo zu finden. Er führt sie zu Capricorns Dorf, ein Ort der weltfremd scheint, genauso wie die Menschen, die dort leben.Vor allem ihr Anführer Capricorn ist Meggie unheimlich. Woher er und Staubfinger Mo wirklich kennen, erfährt Meggie erst, als sie alle Gefangene dieses Mannes sind. 

Auszug aus dem Buch:
„Was?“, flüsterte Meggie. „Was passierte, Mo?“
Ihr Vater sah sie an. „Sie kamen heraus“, sagte er. „Plötzlich  standen sie alle da, in der Tür zum Flur, als wären sie von draußen hereingekommen. Es knisterte als sie sich zu uns umdrehten – so als entfaltete jemand ein Stück Papier. Ich hatte ihre Namen noch auf den Lippen.“
„Ich glaube nicht, dass einer der drei begriff, was geschehen war. Ich begriff es ja selbst erst viel später. Meine Stimme hatte sie aus ihrer Geschichte rutschen lassen wie ein Lesezeichen, dass jemand zwischen den Seiten vergessen hatte.“

Ich finde die Idee des Buches einfach genial. Dazu kommt, dass Cornelia Funke wie keine andere mit den Worten spielt. Sie erzählt einfach wunderschön. So wie Mo durch seine Stimme Geschichten lebendig werden lässt, tut sie es durch ihren Schreibstil.
Ein Buch für Bücherliebhaber und alle, die schon immer mal in eins ihrer Lieblingsbücher schlüpfen wollten.


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