Unter meinen Füßen die Straße
Unter meinen Füßen die Straße
08. September 2011
von Freya
4 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Samstag, der 16.
Ich bin wieder auf der Flucht. Ich habe es so satt, mich zu verstecken und zu lügen und zu stehlen. Ich habe es satt, nicht weiterzukommen und mich zu fühlen wie ein Niemand.

Wozu soll das denn gut sein?
Warum mache ich das?
Ich habe keinen Plan.
Ich habe keinen Platz.
Ich habe keinen Sinn.
Ich will nicht einfach nur überleben.
Überleben allein bringt einen nicht weiter.

Holly ist auf der Flucht. Weg von der schrecklichen Pflegefamilie, den grausamen Mitschülern und dem geheuchelten Mitgefühl der Klassenlehrerin. Zuerst weiß sie nur eins: Weg von hier, irgendwo hin, wo es warm ist, wo sie nachts nicht frieren muss. Nach Kalifornien. Und dann? Sie weiß es nicht.

Ein ungewöhnliches Buch hat Wendelin van Draanen da geschrieben. Genau wie Holly ist es rau, unangepasst, zuweilen unausstehlich und doch kommt man nicht davon los. Denn genau wie Holly hat es zwei Seiten. Diese grobe, anstrengende äußere, mit klischeehaftem Straßen-Slang und abgepausten Verhaltensmustern. Aber dann gibt es noch diese andere, zartere Seite, die Gedichte und Notizen, die Gedanken anstoßen, die zuweilen märchenhaften Momentaufnahmen.

Diese Geschichte fühlt sich ein bisschen so an wie ein moderner Charles Dickens. Oliver Twist hätte heutzutage wohl ein ähnliches Schicksal geteilt wie Holly.
Alles in allem kann man „Unter meinen Füßen die Straße“ wohl eher nicht als unterhaltsames, doch aber als, ja, es gibt kein anderes Wort als ungewöhnliches Buch bezeichnen.

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