"Es geht ihr gut", sage ich etwas lauter, als ich vorhatte. Er schraubt den Verschluss wieder auf die Feldflasche. Er schaut zu boden und sieht aus, als wollte er gehen.
Dann sagt er: "Ich hab mir das hier auch nicht ausgesucht."
"Wenn die Bienen schweigen" - original "The danger of small things" von Caryl Lewis, ins deutsche übersetzt von Anu Stohner, spielt etwa 70 Jahre nachdem das letzte Bienenvolk gestorben ist.
Alle Mädchen kommen im Alter von etwa elf Jahren in Camps, wo ihre einzige Aufgabe darin besteht, Blüten in Handarbeit zu bestäuben. Das machen sie bis sie mit etwa sechzehn Jahren ihre erste Periode bekommen und verheiratet werden. Die Jungen müssen, ebenso mit elf, zum Militär gehen und werden als Soldaten ausgebildet.
Jess' Mutter hat ihren beiden Kindern das Lesen beigebracht und versucht, sie mit Hilfe von ihrer Nachbarin aus der stark bewachten und ummauerten Stadt zu schmuggeln. Dabei werden sie aber erwischt und Jess von ihrem Bruder und der alten Frau getrennt.
Zu Beginn des Buches ist Jess bereits drei Monate in dem Camp. Sie hat Cass als Freundin gewonnen und mit Carmian versteht sie sich überhaupt nicht. Das Leben ist eintönig und kräftezehrend, aber Jess kann mit ihren Geschichten hin und wieder ein paar der Mädchen -hauptsächlich ihre Freundin Cass- zum Lächeln bringen. Die Geschichten kennt sie aus den Büchern. Aus den Büchern weiß sie auch, dass Pinsel eigentlich nicht zum Bestäuben gemacht wurden. Als sie dann Farben in die Hände bekommt, schafft sie ein Bild, was sie alles kosten könnte.
Am allerbesten an dem Roman fand ich den Geist der Rebbelion, den er innehält.
Die Autorin erzählt eine mögliche Welt nach dem Bienensterben auf sehr eindrückliche und bildliche Weise.
Es ist inzwischen ein paar Monate her, dass ich dieses Buch gelesen habe, doch in meinem Alltag erinnere ich mich immer wieder daran zurück. Eine Welt ohne Bienen muss zwar nicht so aussehen, wie in dem Buch beschreiben, angesichts der aktuellen Weltlage, halte ich es jedoch für möglich. Dieses Buch ist eine Dystopie ohne künstliche Intelligenz, und trotzdem nicht hoffnungsvoller.
Das einzige was ich nach dem Lesen dieses Buches verspürte, war die Hoffnung auf Rebbelion.