Wunder
Wunder
24. März 2013
von Freya
3 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 3 Sterne vergeben

„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt- es ist schlimmer.“
Wann immer August durch die Nachbarschaft läuft, drehen sich die Leute nach ihm um. Und schauen dann schnell wieder weg. August kennt diese Blicke schon sein ganzes Leben lang. „Entstellt“, nennen ihn Erwachsene hinter vorgehaltener Hand. Kleine Kinder haben Angst vor ihm. Und die Gleichaltrigen geben ihm Namen wie E.T. oder schlimmer. Aber August kennt das. Seit der Geburt sieht er aus, wie er aussieht, das unwahrscheinliche Ergebnis einiger vermurkster Genschnipsel. Auch wenn sein Leben nicht immer leicht ist, ist August glücklich, denn schließlich lieben ihn seine Eltern und seine große Schwester abgöttisch. Doch dann plötzlich soll er auf eine ganz normale Schule gehen. Die Beecher Prep Middle School. Das das kein leichter Weg wird, ist August klar.

So sensationell hat sich lange kein Buch mehr selbst angepriesen. „Die Debüt-Sensation des Jahres 2012.“, schreit es förmlich auf dem Buchdeckel. „Ein Buch, das erwachsene Männer zum Weinen bringt.“ Naja. So rührselig und außergewöhnlich ist Palacios Erstling dann doch nicht. August kämpft sich wacker durch die fiesen Aktionen seiner neuen Mitschüler, findet Verbündete und Freunde, und schließlich auch Anerkennung. Also eine Geschichte, wie sie schon oft erzählt wurde. Nach einem Drittel der Geschichte wechselt plötzlich mehrmals die Erzählperspektive. Ein Handgriff, der zunächst irritiert, aber dann plausibel erscheint, um Augusts Erlebnisse in ihrer ganzen Komplexität zu erzählen. Raquel J. Palacio zeichnet so einen sehr scharfen Kontrast zwischen dem, was August denkt und fühlt, und dem wie er auf die Außenstehenden wirkt und wie sie über ihn denken. Das ist ohne Zweifel wichtig für die Geschichte. Aber trotz der genauen Planung und den zahlreichen Handlungssträngen schwingt sich „Wunder“ nicht über das Durchschnittliche hinaus. Es pendelt irgendwo zwischen „nett“ und „amüsant“, lässt sich schnell lesen und ist keines Falls schlecht. Aber einen sensationelleren Debütroman findet man allemal.

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