Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen
07. Dezember 2013
von Estelle
2 Sterne
Estelle Jahrgang 1997 Redaktion Lübeck
hat 2 Sterne vergeben

„Ich hätte diese Reise vielleicht nicht mitmachen sollen. Ich  habe nicht mal Lust, mit ihnen zu reden. Es ist so viel einfacher, mit  Leuten am Computer zu sprechen. Man muss ihnen nicht ins Gesicht sehen.  Man kann einfach was schreiben und dann den Computer ausschalten.  Weggehen. Ich mag es so. Weiter weg von Leuten sein.“

Owen, Frank, Audrey und Jin-Ae sind das Selbstmordrudel. Gemeinsam  machen sie sich auf einen Road Trip, in dessen Mittelpunkt die  Besichtigung von Gräbern berühmter Selbstmörder und an dessen Ende der  Gruppenselbstmord von allen vier Jugendlichen stehen soll.
Sie alle haben Probleme zu Hause, sind depressiv, haben schon erfolglose  Selbstmordversuche begangen und sind dennoch bereit, es wieder zu  versuchen. Es gemeinsam zu tun, scheint ihnen allen eine Möglichkeit zu  sein, ihr Leben endlich zu beenden.

Der Roman ist aus der Perspektive von Owen geschrieben. Er hat schon  sechs Mal versucht, sich umzubringen, bislang aber immer erfolglos.  Obwohl er gleich im ersten Satz davon erzählt, wird dem Leser zunächst  nicht klar, warum er depressiv ist. Erst im Laufe des Buches beginnt man  zu verstehen, weshalb er sich schlecht fühlt und sein Leben beenden  möchte. Es wirkt so, als würde man mit der Zeit immer mehr in seine  Persönlichkeit eintauchen. Doch leider nur bis zu einem gewissen Punkt,  dann ist plötzlich Schluss. Denn so richtig verstehen, kann man ihn  letzten Endes auch nicht, was sehr schade ist.

Schließlich hat das Buch nämlich einen sehr guten Ansatz. Von  suizidgefährdeten Jugendlichen liest man nämlich viel zu wenig, obwohl  das Thema so aktuell ist, immer mehr Jugendliche kommen mit ihrem Leben  nicht klar. Deshalb ist es gut und wichtig, einmal hinter die Fassade  eines solchen Jugendlichen zu blicken und zu sehen, was in seinem Kopf  vorgehen könnte. Jedoch ist das Gefühl der Trauer und  Perspektivlosigkeit, vielleicht sogar der Wut, in diesem Roman nicht  sehr deutlich zu spüren, der Leser kann es sich denken, weil das Thema  von vorneherein düster ist, aber es ist leider nicht sehr deutlich  beschrieben.
Die anderen, ebenfalls selbstmord-gefährdeten Jugendlichen sind auch  nicht sehr tiefgründig beschrieben. Der Autor hat auch da leider nur an  der Oberfläche gekratzt. Man erfährt nur einen Bruchteil ihrer Probleme,  oder diese sind nur angedeutet, insgesamt liegt der Anfang und der  lange Weg ihrer Verzweiflung also im Nebel verborgen.
Pluspunkte gibt es jedoch dadurch, dass das Buch immer wieder  überraschende Wendungen hat und die Handlung überhaupt sehr kreativ ist.  So erleben die Jugendlichen unglaubliche, aber nicht unmögliche  Abenteuer und entwickeln alle ihre eigene, besondere Persönlichkeit.  Denn die Charaktere sind zumindest in der Gegenwart recht ausgefeilt,  nur ihre Vergangenheit ist – wie schon beschrieben – nur ansatzweise zu  erfahren.
Deshalb ist das Buch zwar lesenswert, aber für Alle, die sich aber einen  tieferen Einblick in den Kopf eines selbstmordgefährdeten Jugendlichen  erhoffen, etwas enttäuschend.

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