Der Salon Der Grafischen Literatur 2025
Am 22. Mai hatte ich die Möglichkeit, den jährlich stattfindenden Salon der grafischen Literatur zu besuchen, der dieses Jahr mit dem Schwerpunkt des Comic-Journalismus stattfand.
Der Salon der Grafischen Literatur ist ein Fachtag für das Medium Comic.
Hier hatte die deutsche Verlagswelt die Möglichkeit sich mit Personen, welche in ihrem Job mit dem Bereich Comic zu tun haben, zu vernetzen.
Verlagshäuser konnten ihre aktuellen und bevorstehenden Programme präsentieren, zudem gab es Talk Panels, Lesungen und Workshops.
Auf dem Hof der Bibliothek war von 9-17 Uhr die Verlagsmesse, bei welcher mehrere Verlage Stände mit dem aktuellen Programm ausgelegt hatten und man sich mit Vertreter_innen austauschen konnte.
Um 9 Uhr begann direkt die erste Lesung. Péridot-Verleger und Comiczeichner Ferdinand Lutz stellte die Péridot Bücher vor, bei denen immer ein QR-Code dabei ist. Wenn man diesen scannt, wird einem ein Musikstück abgespielt und dabei das Buch vorgelesen. Dadurch soll die Aufnahme des Buches vereinfacht werden. Außerdem soll dadurch das Lesen so lebendig wie möglich werden und Kinder können diese Lesungen wie eine Brücke ins Lesen nutzen.
Es gibt auch Vertonungen der Bücher von Kindern, diese werden dann mit Powerpoint gemacht und finden zum Beispiel als Projekte an Schulen statt. Diese Vertonungen sind aber natürlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Zum Schluss hat Ferdinand Lutz eine Vertonung der Übersetzerin von Madlen abgespielt, während die Buchseiten an die Wand projiziert wurden.
Bei der Lesung wurde hauptsächlich erstmal der Verlag und deren Konzept vorgestellt und hätte ich Kinder, dann würde ich ihnen definitiv Bücher des Péridot-Verlages besorgen, da das ganze Konzept so schön ist und alles was helfen kann, ins Lesen zu kommen, wichtig ist. Ich hatte selber immer Schwierigkeiten mit dem Lesen, und finde das Konzept so bezaubernd. Es war wirklich spannend zu erfahren, wie der Péridot-Verlag versucht, das Lesen für Kinder zugänglicher zu machen.
Nach einer 10-minütigen Umbaupause ging es dann direkt mit einer Lesung von der freiberuflichen Illustratorin Katharina Kulenkampff weiter, aus ihrem Comic Debüt „Wie ich ein grauer Hund wurde“. In diesem Comic verfolgen wir den grauen Hund, der keine Lebenslust mehr hat und von einem Roten Hund verfolgt wird, der die innere Stimme darstellt. In dem Buch werden Themen wie Selbstzweifel und daraus folgende Therapie behandelt. Katharina Kulenkampff erzählte bei der Lesung auch davon, dass sie es einfacher findet, die Charaktere ihre Gedanken sagen zu lassen. Die Idee, durch die Darstellungen seiner Charaktere seine Gefühle zu verarbeiten, fand ich sehr inspirierend.
Danach bin ich dann schnell rüber in einen anderen Vortragssaal, bei dem die Beliebtheit des Vortrags etwas unterschätzt wurde. Als ich ankam waren schon alle Stühle besetzt und ich und noch weitere haben dann versucht uns dann noch an die Seite des Raumes zu quetschen, was zwar irgendwie gepasst hat, aber auch wirklich nur irgendwie. Die Überfüllung des Raumes war aber auch verständlich, da es in dem Vortrag um Comics in dem Raum Schule ging. Was ich am interessantesten fand war, dass Schüler_innen häufig nicht die Lesekompetenzen besitzen, die sie haben sollten, was teils auch an der Lust am Lesen liegen kann, aber Comics dabei helfen könnten. Viele Schüler_innen wollen nämlich eher Comics in der Schule lesen, als dass es Lehrer_innen wollen. Comics können durch die bildliche Ebene helfen, aber trotzdem durch zum Beispiel Auslassungen auch auf unterschiedlichen Leveln stattfinden.
Direkt danach wurden die Ergebnisse eines Comic-Workshops einer 9. Klasse vorgestellt, was die unterschiedlichen Ebenen auf denen Comics stattfinden können direkt zeigen konnte, da sie sich im Workshop mit dem Thema Diskriminierung beschäftigt haben. Zu dem Thema haben sie dann Comics erstellt, die dann ausgestellt wurden.
Kurz darauf bin ich dann zu der Lesung von Patricia Thoma gegangen, welche ihren Comic „Im Jugendarrest“ vorstellte, für den sie Jugendliche im Jugendarrest getroffen hat, die von Geschichten aus ihrem Alltag berichteten. Mit einer Zeichentechnik, die Patricia Thoma den Jugendlichen zeigte, zeichneten die Jugendlichen ihre Geschichten selber, was wirklich beeindruckend ist, da die ganzen Zeichnungen wirklich gut aussehen.
Durch dieses Projekt kann sie Jugendlichen eine Stimme verleihen und ihrem Leben andere Möglichkeiten geben. Da so ein Jugendarrest 4 Wochen dauert, und nach ihrer Aussage die Hälfte dieser Jugendlichen später in ihrem Leben ins Gefängnis kommen.
Wenige Minuten später ging es auch spannend weiter, Jens Harder stellte „GAMMA…Visions“ vor, und damit den Abschluss seines Comic-Projekts über die Evolutionsgeschichte. Nachdem er in den vorherigen Bänden die bereits geschehenen Ereignisse darstellt, geht es im 4. und letzten Band um eine mögliche Zukunft, die vor uns liegt. In der Lesung hat man einen interessanten Einblick in die vorherigen Bücher bekommen und dann gab es noch eine kurze Lesung aus dem neuen. KI wurde für dieses Buch als Inspiration genutzt und es wurde collagenhaft gearbeitet.
Als nächstes fand eine Diskussionsrunde mit Johann Ulrich, Hanna Wollmeiner, Birgit Weyhe, Nathalie Frank, Volker Sponholz und Linn Posner statt, was für mich voll besonders war, weil da so viele unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Backgrounds im Bereich Comics über unterschiedliches reden und diskutieren. Was ich an Themen besonders interessant fand, war einmal, dass nicht speziell nach Sachcomics gesucht wird, aber zum Beispiel beim Avant Verlag drei Sachcomics erscheinen. Oder auch, dass es Gratis Comics gibt, zum Beispiel bei true fruit. Diese werden durch Werbung finanziert und erscheinen zweimal im Jahr mit einer Auflage von 2000 Stück. Es gibt dort auch Kooperationen, die die Auflagen und teils Honorare finanzieren, dafür, dass die Kooperationspartner im Gegenzug die Themen entscheiden dürfen. Was ebenfalls interessant ist, ist die Differenzierung von Fernsehen und Comics, da beim Comic das Zusammenspiel von Bild und Text sehr besonders ist und man das ganze Medium langsamer und dadurch vielleicht auch genauer wahrnimmt. Ebenfalls wurde über die lange Recherche, die für Comics gebraucht wird, gesprochen und auch, dass für eine Demokratie neue Erzählungen wichtig sind, auch um emotional involvierter zu sein. Was auch angesprochen wurde war, dass Gewaltdarstellungen häufig in den Zeichnungen häufig umgangen und teils klischeehaft dargestellt werden.
Es wurden über noch viele weitere Themen diskutiert, aber diese fand ich besonders interessant und sind auch teilweise gute Denkanstöße.
Als nächstes sah ich dann eine Lesung von Isabel Kreitz zu ihrer neuen Graphic Novel „Die letzte Einstellung", die von echten Personen inspiriert wurde, wie z.B. Erich Kästner. Das Buch handelt vom letzten Propagandafilm in der NS-Zeit. Es war wirklich spannend zu sehen, wie sowas geschieht. Was mich aber insbesondere interessiert ist, wie sie diese Grafik Novel überhaupt erstellt hatte. Isabel Kreitz erzählte uns, dass sie als Kind viel Fernsehen geschaut hat weshalb ihr Bildsprache sehr wichtig ist. Sie versucht der Geschichte ihren eigenen passenden Stil zu geben, was hier in der Art von Kohlezeichnungen zu sehen ist. Außerdem bevorzugt sie, die Reinzeichnungen digital zu machen. Sie sagte, dass das Storyboard der „Hauptpreis“ ist und darauf nur noch Handwerk folgt.
Danach folgte eine Lesung von Simon Schwartz aus „Lagerfeld“ (von Simon Schwartz und Alfons Kaiser), da wurde verkürzt der Anfang vorgelesen, während, wie auch bei den anderen Lesungen, die Bilder an die Wand gestrahlt wurden. Das Buch umfasst das gesamte Leben von Karl Lagerfeld. Diese Graphic Novel hat auch einen wirklich schönen Zeichenstil, es ist ein ziemlich realistischer Zeichenstil, der mit wenigen Linien die charakteristischsten Züge einer Person rüberbringen kann.
Eine wirklich sehr coole Lesung war „Abenteuer im Schattenwald“ von Lisa Feinbube, da ihr Comic ähnlich wie ein Pen and Paper Rollenspiel für Kinder fungiert und man mit beispielsweise Würfeln herausfindet wo man weiterlesen darf und das Ganze dann auch so in der großen Runde vorgeführt und gespielt wurde, wodurch es eine sehr interaktive und spannende Lesung war. Der Comic ist auch super süß, und da man das ganze spielerisch macht, kommt auch immer wieder eine neue Geschichte raus. Außerdem kann man dadurch langsam lernen, wie Pen and Paper Spiele funktionieren.
Als Abschluss kam dann noch eine richtig interessante Veranstaltung die auch eine meiner liebsten war, jedoch leider wirklich nicht gut besucht war, was ich persönlich gar nicht verstehen konnte, da ich sie soo gut fand.
Zum Abschluss kam eine kleine runde an Übersetzerinnen, die das Buch „im Kopf der Übersetzerin“ vorgestellt haben und dann auch noch ins Gespräch kamen und vom Comic übersetzen berichteten.
Sie erzählten, dass es einerseits Schwierigkeiten beim Übersetzen gibt, wie Wortspiele oder auch, dass man den gesamten Text in die Sprechblasen bekommen muss und es nicht einfach länger oder kürzer werden darf. Allerdings ist die Vergütung auch ein Problem, Graphic Novels haben wenig Text und die Vergütung wird meist nach Text festgelegt, aber da man in einer Graphic Novel auch Bilder beachten muss, ist es nicht leichter als einen Roman zu übersetzen. Eher ist es anders, wodurch man sich das Übersetzen erstmal leisten können muss, was wirklich schade ist. Die wenigsten Menschen interessieren sich leider für die Übersetzer_innen, obwohl sie vielen erst das Lesen von Werken aus anderen Ländern möglich machen.
Abschließen möchte ich mit einem kleinen Absatz, den ich direkt nach dem „Salon der Grafischen Literatur“ geschrieben habe um irgendwie meine Freude einzufangen, damit ich auch nur ansatzweise hier rüberbringen kann, wie wundervoll das Ganze ist.
„Ich bin soo unfassbar glücklich, es waren echt schöne Veranstaltungen und wirklich interessant, würde ich wieder machen und alle Leute waren so nett und hatten so interessante und fundierte Dinge zu berichten.“