Agnes
Agnes
22. Mai 2011
von Kim
1 Stern
Kim Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 1 Stern vergeben

So wie der Eisberg in Titanic die Liebesgeschichte zwischen Rose und Jack beendet, zerstört dieser Eisberg in Form von „Agnes“ jede Vorstellung von Liebe. 

Dieser erste Roman von Peter Stamm spiegelt eine Eiszeit der Gefühle  wieder. Der Versuch eine originelle und natürliche Liebesgeschichte zu  schreiben – absolut fehlgeschlagen. Obwohl die Idee das Buch wirklich  vielversprechend erscheinen lässt. 

Die Macht der Literatur mit der Macht über die einzelnen Personen zu  vergleichen und verschmelzen zu lassen und dabei noch kulturelle und  soziale Vorurteile zu kritisieren erweckt den Anschein eines gelungenen  Romans. 

Chicago. Ein alter Lesesaal in der Puplic Libary. Dort beginnt Agnes  Geschichte. Mit ihm. Seine Geschichte. Zuerst sind es nur Blicke, dann  eine Zigarette, ein Kaffee und schließlich ein Abendessen. Sie kommen  sich näher, erzählen Geschichten. Doch als er, dessen Name nicht genannt  werden darf, werden soll, nicht genannt wird, beginnt, seine eigene  Geschichte zu erzählen und aufzuschreiben, gerät alles aus den Fugen.  Literatur wird zum Leben erweckt und Leben wird zu Literatur, bloß noch  fürs Papier bestimmt. 

Peter Stamm testet die Macht der Literatur aus. In der Theorie  großartig – in der Ausführung totlangweilig. Der Autor verheddert sich  im Alltag seiner Protagonisten und vergisst darüber seinen  Grundgedanken. Die Charaktere wirken kalt und gefühlsleer. Gerade Agnes  hat den Charme einer herzlosen Marmorstatue, leblos und ohne die  Fähigkeit, Gefühle zu zeigen. Der Ich-Erzähler versucht wenigstens noch,  seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, doch auch er scheitert an dem  Versuch, dem Leser sein Herz zu öffnen. Selbst in die romantischsten  Situationen kann man sich als Leser nicht hineinversetzen, da  Identifikationsmöglichkeiten gänzlich fehlen. 

Durch seine minimalistische, schnörkellose Sprache erscheint der  knapp 150-Seiten-Roman noch dünner. So fehlt es an erkennbarem Aufbau,  Höhepunkten, Spannung und nicht zuletzt einfach an glaubwürdiger Liebe –  was bei einem als Liebesroman angepriesenes Buch einfach nur traurig  ist. Peter Stamm lässt Sätze, die den Roman charakteristisch und  einzigartig machen könnten, radikal aus. Als sachliche Dokumentation  wäre „Agnes“ vielleicht gelungen, jedoch ist es fraglich, ob der Leser  dies von einem Liebesroman erwarten würde. Dieses Buch ist eine  Enttäuschung. Es ist Peter Stamm wärmstens ans Herz zu legen, zu seinen  Höbüchern zurückzukehren und seine Finger von Romanen zu lassen. 

Eine Rezension von Freya Schwachenwald und Kim Baschant

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