Das Konsortium oder die ungenaue Zeit
Das Konsortium oder die ungenaue Zeit
03. April 2020
von Theo
5 Sterne
Theo Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 5 Sterne vergeben

"Das Konsortium oder die ungenaue Zeit", geschrieben von Martin Gries, spielt in einer alternativen Zeit, in der ein Konsortium die internationale Weltherrschaft besitzt und das Leben aller Menschen durch 8 Gesetze bestimmt. Die Gesetze sind:


  1. Die Leuchttürme gehören dem Konsortium. Wer sie nutzt, zahlt.

  2. Die Sterne gehören dem Konsortium. Wer sie beobachtet, ist des Todes.

  3. Die Zeit gehört dem Konsortium. Wer sie genau misst, ist des Todes.

  4. Wer etwas kauft, kauft es vom Konsortium. Wer von anderen kauft, ist des Todes.

  5. Wer etwas verkauft, verkauft es dem Konsortium. Wer anderen verkauft, ist des Todes.

  6. Güter werden vom Konsortium transportiert. Wer das nutzt, zahlt.

  7. Staaten pflegen das Brauchtum.

  8. Alle Staaten sind gleich gut.


Die beiden Hauptcharaktere kommen in einen Konflikt, in dem sie jeweils gegen ein Gesetz verstoßen. Charles, dessen Vater am Anfang des Buches beim Bau eines neuen Leuchtturms stirbt, bekommt von seinem rebellischen Großvater einen Sternenmesser geschenkt. Mariettas Vater wurde verhaftet, weil er eine zu genaue Uhr baute, die nun Marietta gehört. Marietta, auf der Suche nach ihrem Vater, und Charles, der anfängt für das Konsortium zu arbeiten, um seine Familie zu ernähren, fangen an zu verstehen, warum ihre Instrumente gesetzwidrig sind. Langsam beginnt die Fassade des wohlstandsbringenden Konsortiums zu bröckeln.


Die Welt, in der das Buch spielt, entsteht mit der ersten Seite und hört bis zur letzten Seite nicht auf, sich immer wieder mit der eigenen Schönheit zu übertreffen. Das System, so unlogisch es am auch am Anfang scheint, ist unglaublich schlüssig und gerade der Erzählstrang, der die Geschichte des Konsortiums erklärt und sich am Ende mit Mariettas und Charles' Strängen vereint, sorgte bei mir für einen sehr befriedigenden Aha-Moment. Es bringt sehr viel Spaß, den unterschiedlichen Charakteren beim Reisen zuzugucken, wie sie sich entwickeln und die gesamte Handlung immer näher bringen. 

Was jedoch meiner Meinung nach am Besondersten am Buch ist, ist die Sprache. Noch nie habe ich ein Buch mit so reduzierten Sätzen gelesen, die es vielleicht gerade deshalb schaffen unglaublich poetisch ohne aufdringlich zu sein. Auch wenn es die erste Hälfte des Buches nicht leicht war, sich an diesen unkonventionellen Schreibstil zu gewöhnen, war es eine sehr schöne Erfahrung.

Allen, die mal etwas neues ausprobieren wollen oder einfach Spaß an wunderschönen ausgearbeiteten Welten haben, kann ich das Buch dringendst empfehlen!

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