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Der erste Tod der Cass McBride
22. Mai 2011
von Kerrin
4 Sterne
Kerrin Jahrgang 1993 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Meine Gedanken waren unkoordiniert, aber das war kein Traum.
Ich lag weder in meinem Bett noch in einem Krankenhaus. Angst legte sich wie eine Klammer um mich. Mein Magen rebellierte. … Ich japste nach Luft, Tränen stiegen mir in die Augen, während ich von einem Schluchzen und Schüttelfrost gepackt wurde.

Ich fühlte mich kühl. Ich fror nicht. Ja, doch, kühl war das richtige Wort – wie ein Glas, das man aus dem Kühlschrank holte, so feucht und kalt und…

Der Geruch. Er war schleichend in meine Wahrnehmung gekrochen. Nicht nur der von Urin. Irgendwie klamm und … erdig.
Wo war ich? Warum? Ich war in irgendetwas Kleinem und Dunklem und Feuchtem gefangen und…

Ich sog Luft ein und schrie.

Ich schrie, bis meine Blutgefäße im Gesicht und Nacken zu platzen schienen. Ich schrie, bis meine Kehle sich wie zerrissen, zerfetzt anfühlte. Und ich schlug und trat um mich, bis meine Hände, Fersen und Zehen wahrscheinlich ebenso zerfetzt waren wie meine Kehle.

Du schreist, wenn du willst, dass jemand kommt.
Jemand kam.
Oh lieber Gott. Jemand kam.

Cass ist cool. Sie ist hübsch. Sie ist beliebt. Sie geht mit den tollsten Typen der Schule aus. Eigentlich ist sie selten fies. Aber als David Kirby, einer der Uncoolen, sie nach einem Date fragt, schreibt sie ihrer besten Freundin einen Zettel. Und den liest David.
Kurz darauf bringt er sich um.
Am Tag seiner Beerdigung wird sie entführt. Keiner weiß wohin. Nur Kyle Kirby, Davids großer Bruder.
Er hat sie lebendig begraben, in einem Gewächshaus. Er sieht die Schuld für Davids Tod bei ihr. Er hat einfach ein Loch ausgehoben, eine Bretterkiste gebaut und sie dort hinein gesteckt. Dann hat er das Loch geschlossen. Bis auf einen winzigen Atemkanal ist Cass ohne Verbindung zur Außenwelt. Und dann sind da noch die Walkie-Talkies, über die die beiden sich unterhalten.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – Cass‘ Körper braucht Wasser und Sauerstoff. Und ihre Seele Hoffnung darauf, dass sie aus ihrem unterirdischen Gefängnis befreit wird.

Ein dramatischer Thriller wie ‚Der erste Tod der Cass McBride‚ begegnet einem nicht häufig. Gail Giles hat es durch häufige Perspektivenwechsel geschafft, einen sehr lebendigen Thriller zu schreiben. Fesselnd wird sowohl die Verzweiflung von der sonst so beherrschten Cass in ihrem Gefängnis als auch die von Kyle über den Tod seines kleinen Bruders beschrieben.
Der Schreibstil gibt Einblick in die verworrenen Hintergründe zweier Jugendlicher, die gegensätzlicher nicht sein könnten und sich trotzdem irgendwo ähneln.

Insgesamt ein geniales Buch, das man ungern weglegt!

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