Der Schneewittchen-Club
Der Schneewittchen-Club
01. Juni 2009
von Freya
3 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 3 Sterne vergeben

Am Anfang können Alice, Reena und Molly sich nicht ausstehen, als sie  sich auf dem Internat Mount McKinsey kennen lernen. Alice ist schön und  zickig, Tochter zweier berühmter New Yorker Autoren. Die  indisch-stämmige Reena aus dem sonnigen Los Angeles ist selbstbewusst,  modisch und beliebt. Und Molly? Molly ist wissbegierig und schlau und  nur dank eines Stipendiums auf dem Internat. Ihre Familie würde sich es  sich nie leisten können.  Sie können sich nicht ausstehen und kämpfen  verbittert gegeneinander. Doch bald merken sie, dass  sie alle eigentlich nur aus einem Grund hier sind: Ihre Stiefmütter  haben sie rausgeschmissen. Das lassen sich die drei natürlich nicht  gefallen und gründen gemeinsam den Schneewittchen Club, um sich an ihren  bösen Stiefmüttern zu rächen.

Auszug aus Der Schneewittchen-Club:
,,Aber“, Molly brach ab und runzelte die Stirn. ,,Warte mal. Ich  versteh das nicht.“ ,,Wir sind der Schneewittchen-Club!“, erklärte  Reena. ,,Wir sind der Club der misshandelten Stieftöchter! Und wir sind  zusammen gekommen, um uns zu rächen!“ Rache. Ein Schauer lief mir über  den Rücken. Ich wusste nicht, ob es ein guter oder ein schlechter  Schauer war. ,,Aber es war die böse Königin, die Schneewittchen den  vergifteten Apfel gegeben hat“, stellte Molly fest. ,,Nicht umgekehrt.“  ,,Ja, Schlaumeier“, sagte Reena. ,,Aber sieh es mal symbolisch. Hast du  bei David Newman nichts gelernt? Der Apfel ist das Symbol für unser  unglückliches Schicksal. Er ist das Symbol dafür, dass unsere  Steifmütter unser Leben zerstören wollen. Doch jetzt holen wir uns den  Apfel zurück. Der Apfel gehört uns, und damit haben wir die Waffe in der  Hand. Das Spiel, das unsere Stiefmütter spielen, können wir auch.“

Sie beginnen einen unglaublichen Plan zu schmieden, doch dann läuft alles anders.
Mir hat das Buch vor allem gefallen, weil es ungewöhnlich ist. Natürlich  hört es sich im ersten Moment nach einem typischen  Hanni-und-Nanni-Internats-Mädchen-Buch an, doch es ist in einer gewissen  Weise ganz anders. Ich werde versuchen dieses „Andersein“ ein klein  wenig zu erläutern. Zu erst einmal existiert unter der Haupthandlung,  die fast schon ein wenig 08/15-mäßig und planbar verläuft, eine zweite,  tiefere Ebene, die gekonnt kleine Lebensweisheiten mit sprühenden Humor  verbindet.  Und außerdem nimmt diese ,,normale“ Geschichte in seinem  Lauf eine so unerwartete Wendung, dass man am Ende das Gefühl hat, ein  anderes Buch zuzuschlagen, als man es aufgeschlagen hat, was für die  Autorin eine große Leistung und ein fantastisches Kompliment ist. Lily  Archer schafft es endlich, ein wenig Schwung in die mit dem „Hanni und  Nanni“ gestempelte Internatsgeschichte zu bringen.

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