Ein Herz mit neun Kammern
Ein Herz mit neun Kammern
01. Juni 2019
von Kathrin
4 Sterne
Kathrin Jahrgang 2002 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

9 Geschichten, 9 Liebesbeziehungen, eine Rückkehr, viele Abschiede. Dieses Buch ist eine Sammlung gemeinsamer Erfahrungen. Es beschreibt Erinnerungen an eine Vergangenheit, die mal kürzer, mal länger, mal glücklicher, mal katastrophaler verlief.

Im Laufe unseres Lebens werden uns Millionen von Menschen begegnen. Viele werden wir mögen, einige meiden und manche lieben. Aber sicher ist, dass es nie so laufen wird, wie Hollywood es uns gerne einreden möchte. Und das ist auch gut so. Dass Liebe nicht immer kitschig und überglücklich, besonders oder angenehm sein muss, zeigt dieses Buch. Manchmal passiert sie einfach, ist für den Augenblick schön und wird nach und nach für beide Partner zu einer süßen Erinnerung, manchmal ist sie das Gegenteil und stürzt alle Beteiligten in eine tiefe Krise. In „ein Herz mit neun Kammern“ wird ein ganzes Leben gezeigt. Doch ist die Erzählform keineswegs klassisch. 

Das Mädchen ohne Namen stellt die Zeitachse dieser Geschichte dar, sie ist ein Phantom, das nur als Umriss existiert. Wir erfahren über sie, was sie ihren Partner*innen offenbart und so bleibt sie, obwohl das gesamte Buch auf den ersten Blick von ihr handelt, immer ein Gedankenfetzen, dessen Konturen zerrinnen, sobald man sie zu fassen versucht. Die eigentlichen Hauptcharaktere stellen somit die Personen dar, mit denen sie eine Liebesbeziehung einging. Kurze Meilensteine auf ihrem Weg, die, obwohl sich ihre Erzählungen voll und ganz auf das Mädchen konzentrieren, mehr über sich selbst preisgeben, als über ihre Freundin. Denn dabei können sie nicht lügen. Sehr intensiv wird das Buch durch den Schreibstil, denn die Erzähler*innen richten ihre Worte direkt an dich... und gleichzeitig auch nicht. Vielmehr direkt an das Mädchen, das ihnen einmal nahestand. 

Ich habe dieses Buch mit der Erwartung begonnen, ich würde ein Mädchen kennenlernen und es auf ihrem Weg begleiten, doch tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Ohne es zu merken, werden einem viele Fassetten der Liebe gezeigt, von denen keinesfalls alle sexueller Natur sind. Mich hat tief beeindruckt, wie realistisch und nüchtern das Thema behandelt wurde, für das die meisten Film-Produktionsfirmen nur Glitzer, Glamour und Klischees übrig haben. Es fällt auch schwer, sich nicht direkt angesprochen zu fühlen und genau durch diesen Effekt könnte das Mädchen eigentlich jeder sein. Ich kann euch nur empfehlen, dieses Buch zu lesen, schon alleine, um einmal die Perspektive zu ändern, aus der das Thema Liebe oft betrachtet wird. 

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