Kathrin Jahrgang 2002 Redaktion Lübeck
hat 1 Stern vergeben

Frank Li ist jung, vernünftig und ehrgeizig - und er wünscht sich nichts sehnlicher, als mit seinem besten Freund Q einfach mal über typische Teenagerprobleme reden zu können. Doch im Moment hat er leider ganz andere Sorgen, denn Franks Eltern stammen aus Korea und hegen große Vorurteile gegen Amerika (wo sie nun wohnen) mit seinen vielen verschiedenen ethnischen Gruppen. Dass Frank je eine Freundin haben darf, die nicht koreanisch-stämmig ist, ist für sie keine Option. Schon seine ältere Schwester wurde aus der Familie verstoßen, weil sie sich bei der Wahl ihres Partners nicht nach den Wünschen ihrer Eltern richtete. Am liebsten würden seine Eltern ihn in den Armen von Joy sehen, der Tochter einer befreundeten koreanischen Familie. Doch als sowohl Frank, als auch Joy sich in Mitschüler*innen verlieben, die definitiv gegen die Erwartungen der Eltern verstoßen, entwickeln sie einen Plan – sie wollen eine Beziehung miteinander vortäuschen, um ungestört zu ihren eigentlichen Dates gehen zu können.

Doch wie immer entwickelt sich die Geschichte anders als von den Protagonisten erwartet und erfüllt damit paradoxerweise haargenau die Erwartungen des Lesers.

Es ist vollkommen normal, dass verschiedene Motive oder Geschichten in der Literatur immer wieder neu aufgenommen und verändert werden, aber bei diesem Buch wird das Grundgerüst spätestens nach 200 der insgesamt 486 Seiten so deutlich erkennbar, dass man es im Grunde weglegen kann. Abgesehen von der absolut oberflächlichen Geschichte gibt es in diesem Buch auch keinen einzigen Charakter, der an Konturen und Tiefe gewinnt. Alle 10 Seiten scheint sich der Autor in einer der Figuren zu manifestieren, seine Meinung zum Thema Herkunft und Abstammung zum Besten zu geben und die leere Hülle des einstigen Propheten zurückzulassen. Auch sprachlich ist das Buch kaum zu empfehlen, wobei sich hier schlecht unterscheiden lässt, welchen Anteil die Übersetzung und welchen Anteil der Autor trägt. Fakt ist: „sagen“, als einzige Beschreibung einer sprachlichen Äußerung zu verwenden, wird spätestens nach 10 Minuten langweilig. 

Das Thema, das das Buch aufgreift, nämlich die Identitätskonflikte der Kinder, deren Familie erst in der zweiten Generation in einem kulturell anderen Land leben, ist meiner Meinung nach sehr, sehr wichtig, wird aber in diesem Buch absolut falsch behandelt. Und die Probleme von Frank wirken im Kontext dieser Klischee-Geschichte trotz aller Betonungen, welche Konsequenzen ihm drohen, nur wie das Gejammer eines Jugendlichen, der nicht mit seinen Eltern in einen Konflikt treten möchte. Das ist definitiv schade, denn ich glaube dem Autor, dass ihm dieses Thema wichtig ist und dass diese Umstände für Kinder wirklich schwierig sein können, nur dem Protagonisten nehme ich es nicht ab.

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