Julia
Julia
03. Juli 2011
von Marie B.
5 Sterne
hat 5 Sterne vergeben

Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen:
Ich will dann strafen, oder Gnad’ erteilen;
Denn niemals gab es ein so hartes Los
Als Juliens und ihres Romeos.
Shakespeare

Die junge Amerikanerin Julia hat jahrelang im Schatten ihrer Zwillingsschwester gelebt,
bis ihr ein Brief ihrer verstorbenen Großtante überreicht wird, aus dem sie erfährt, dass sie in Wahrheit Giulietta Tolomei heißt und in Italien geboren wurde.

Überstürzt begibt sie sich auf die Reise in ihre Heimat, nach Siena, und deckt dort nach und nach ihre unglaubliche Familiengeschichte auf.
Denn sie ist nicht einfach nur Giulietta Tolomei, nein sie stammt in direkter Linie von der bekanntesten Julia der Welt ab. Romeos Julia! Die ist keineswegs Shakespeares Feder entsprungen, es gab sie wirklich. Sie und Romeo, und auch wenn sich ihre Geschichte ein wenig von Shakespeares Version unterschied, war sie doch nicht weniger tragisch und leidenschaftlich.
Während Julia, oder Giulietta wie sie in Italien nur noch genannt wird, auf den Spuren der Vergangenheit wandelt, löst sie immer mehr Geheimnisse um die größte Liebesgeschichte der Welt.
Bald spürt sie, dass sie verfolgt wird und sie wird das Gefühl in Gefahr zu schweben nicht los.
Als dann auch noch Romeo auftaucht, wird es wirklich kompliziert…

Auszug:
„Nun kannst du der pazzia nicht mehr entfliehen“, flüsterte er heiser, „willkommen in Siena.“
„Vor einer Woche“, entgegnete ich, während ich blinzelnd versuchte die Fassung wiederzuerlangen, „wolltest du noch, dass ich zurück nach Hause verschwinde.“
Langsam streckte Alessandro die Hand aus und legte sie an meine Wange. „Aber nun bist du hier.“
Die Berührung seiner Finger ging mir durch und durch. Ich musste mit meiner ganzen Willenskraft gegen den Drang ankämpfen, mich in seine Hand sinken zu lassen.
Obwohl ich so viele stichhaltige Gründe hatte, ihm nicht zu trauen – geschweige denn mit ihm zu flirten -, fiel mir nicht anderes ein als: „Das würde Shakespeare aber nicht gefallen.“
Durch meinen atemlosen Kommentar nicht im Geringsten entmutigt, strich mir Alessandro mit einem Finger langsam über die Wange, um schließlich in meinem Mundwinkel zu verharren. „Shakespeare bräuchte es ja nicht zu erfahren.“

Romeo und Julia ist und bleibt die faszinierendste und schönste Geschichte der Welt. Egal wie oft sie neu aufgerollt und auseinandergenommen wird, sie verliert nie ihren Zauber.
Und deshalb ist es zum Teil wohl auch Shakespeares Verdienst, dass Anne Fortiers Roman mich so unglaublich begeistert hat.
Ich habe lange kein Buch mehr in der Hand gehalten, das ich so mitreißend fand.
Anne Fortier schafft es so gut historische Fakten und Fiktion zu verknüpfen, dass ich inzwischen überzeugt bin, dass sich alles genauso abgespielt haben muss, wie sie es ihrem Roman darstellt, einfach weil es total logisch ist.
Dazu kommt, dass sich in diesem Buch gleich zwei unglaubliche Liebesgeschichten abspielen, was für mich als Romantikerin natürlich ein Traum ist.
Nebenbei erfährt man aber auch noch einiges über Italien und Siena, wo übrigens tatsächlich die ursprüngliche Fassung von Romeo und Julia spielte.
Ich glaube, ich muss diese Stadt unbedingt noch mal besuchen.

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