Kinoblicke
Kinoblicke
06. Mai 2009
von Lisa
5 Sterne
hat 5 Sterne vergeben

Wer kennt das nicht? Man sieht sich zusammen mit einem Freund oder mehreren Bekannten einen Film im Kino an und die erste Frage, nachdem das Licht wieder langsam angestellt und der Vorhang vor die Leinwand gezogen wird, lautet: ,,Und, wie fandest du ihn?“ Diese Frage ist eigentlich unumgänglich und fast vorprogrammiert und kann, je nach der Themenbrisanz des Films, den Verlauf des weiteren Abends bestimmen…
Doch leider findet man im Strudel des Alltags nicht immer die Zeit für gesellige Kinobesuche und selbst ein gemütlicher DVD-Abend ist manchmal schwer zu organisieren. Wie also wäre es möglich kurz in der Mittagspause in die Welt der Filme abzutauchen? Eine gute Möglichkeit bieten Filmrezensionen. Meist sind sie nicht allzu lang, erinnern uns an Filme, die man vielleicht schon ewig nicht mehr gesehen hat oder geben Anregungen, welche man in nächster Zeit unbedingt gucken sollte. Wenn die Kritiken dann auch noch witzig und voller Sarkasmus geschrieben sind wie die von Andreas Kilb fällt einem manchmal gar nicht mehr auf, dass die Mittagspause schon längst vorbei ist.
Das Buch ,,Kinoblicke“ beinhaltet Filmkritiken aus der Zeitspanne von 2000 bis 2007 sowie Kommentare zu verschiedenen Geburtstagen, Begegnungen, Abschieden und zu bestimmten Themen und Tendenzen. Die verschiedenen Rezensionen sind überschaubar in die Rubriken Das Kino der Meister, Amerikanische Bilder und Geschichten aus Deutschland eingeteilt , wodurch man Kilbs Meinung beliebig zu seinem eigenem persönlichen Lieblingsfilm nachlesen kann. In dem Kapitel Geburtstage, Begegnungen, Abschiede äußert er sich zu Legenden wie Marlene Dietrich, Gregory Peck und Robert Altman, aber auch zu Persönlichkeiten der aktuellen Zeitgeschichte wie Julia Roberts, Bruno Ganz oder Nicole Kidman. Die Rubrik Themen und Tendenzen verdeutlicht u.a. Kilbs Meinung zu Kriegsfilmen oder der Rhetorik des Sterbens im Kino.
Es mag merkwürdig erscheinen eine Rezension über ein Buch, welches fast ausschließlich aus Rezensionen besteht, zu schreiben, aber bei mir haben die Kritiken einfach einen starken Eindruck hinterlassen. Vielleicht gefiel mir das Buch aber auch deshalb so gut, weil ich Filme sehr mag. Daher bin ich momentan nicht ganz so sicher, ob ,, Kinoblicke“ jedem zu empfehlen ist, aber für Cineasten und alle, die das Kino lieben, sind Kilbs Kritiken ein Muss! Sie geben Anstöße, öffnen neue Blickwinkel und Betrachtungsweisen für viele Filme, sodass man Lust bekommt sie , mit Kilbs Meinung im Hinterkopf, noch einmal zu sehen und vielleicht sogar seine eigene zu überdenken. Bei mir ist dies z.B. bei Woody Allens ,,Match Point“ der Fall. Beim erstem Mal gucken war es für mich so als ob der Film ohne Spannungsbogen, dafür aber mit einem nur zum Aufregen verleitendem Ende versehen ist. Kilbs Rezension hat mir die Tiefe des Films besser verständlich gemacht; so übertrieben das jetzt wahrscheinlich auch klingen mag. Natürlich ist man nicht immer seiner Meinung und kann bisweilen auch in Rage geraten, wenn er einen persönlichen Filmfavoriten negativ bewertet (wie bei mir z.B. ,,The Hours“; wie kann er nur?). Aber Kritiken sind nun mal auch subjektiv zu betrachten. Beim Lesen gefiel mir besonders Kilbs Stil. Er beschreibt eine Thematik oder eine Auffälligkeit, die sich für ihn beim Sehen herauskristallisiert hat oder welches ihm besonders in Erinnerung geblieben ist und tut dies vielschichtig und auf mehreren Ebenen. Des weiteren ist Kilb in seinen Rezensionen nicht nur kritisch, sondern, wie ich am Anfang meiner Rezension schon erwähnte, auch wunderbar humoristisch und sarkastisch. So komme ich nun zu dem Schluss, dass wohl auch nicht so leidenschaftliche Kinofans wie ich, dennoch ihre Freude an dem Buch ,,Kinoblicke“ hätten – und seien es nur die eins, zwei Kritiken zum eigenem Lieblingsfilm, wo man vielleicht doch neugierig ist, was ein angesehener Filmkritiker dazu zu schreiben hat. Da ich mehrere Filme mag, war ich froh, als ich erfuhr, dass er schon im Jahr 1997 eine Sammlung von Rezensionen unter dem Titel ,, Was von den Bildern übrig blieb“ veröffentlichte, die ich mir in nächster Zeit unbedingt besorgen möchte.

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