Alles Regal

Was ihr Wollt in Lübeck

Spoiler Warnung

Begrüßt wurden das Publikum zu Beginn des Stückes mit einem Standbild, einer Badewanne und einer gelben Wand. Einige Stühle standen am linken Bühnenrand, Orgel und der Platz für Matthias Herrmann auf der anderen Seite. Mit dem Fortschritt des Stückes entstand auf dem Bühnenboden eine Ansammlung von Requisiteuren die die Schauspieler mehr als einmal ins Stolpern brachte.


Agnes Mann in ihren Rollen als Viola, Cesario und Sebastian konnte dem Publikum mit Körpersprache und Betonung schnell ihre Vielseitigkeit beweisen. Es fiel den Zuschauern leicht, den zahlreichen Rollenwechseln zu folgen.


Will Workman bewies nicht weniger Geschick mit seiner Schizophrenie die Sir Toby Rülps und Sir Andrew Leichenwang zusammenfasst. In einem überlangen Alkoholrauschtorkelte er über die Bühne. Gut in die Rolle eingearbeitet waren auch seine Auftritte an der Orgel.


Ob die Musikalischen Einlagen immer notwendig oder passend waren lässt sich anzweifeln, gut gemacht waren sie jedoch definitiv.


Orsino (Jan Byl) setze sich mit zusammengefallener Haltung und ebenso wehleidigen wie stürmischen Szenen als unglücklich verliebter Herzog treffend in Szene. Selbst als stummer Beobachter am Bühnenrand änderte sich das nicht.


Astrid Färber als Gräfin Olivia hat es geschafft Abscheu und Zuneigung in einen Charakter zu Formen den sie auf der Bühne dem Publikum in schwarzem und weißem Kleid zeigte.


Der strippende Malvolio, überzeugend verkörpert von Andreas Hutzel, hat sowohl mit seinen Auftritten nach dem gefälschten Liebesbrief als auch mit seiner zugeknöpften Art davor das Publikum zum lachen gebracht.


Henning Sembritzkizeigte sich in Form des Kapitäns, der Viola vor dem Ertrinken rettet, und des Piraten Antonio, der erst Sebastian aus den Fluten zieht und dann Cesario vor Sir Toby beschützt.


Matthias Herrmann übernimmt große Teile der Musik. Mit Gitarre unterhält er als Diener Orsino und spielt auch den Bruder Olivias.  


Die Zusammensetzung des Textes war eine erfrischende Mischung aus alt und neu. Jedoch waren viele der Instanziierungshandgriffe abgedroschen, wie etwa eine Hitler Nachahmung. Wirklich störend war im Endeffekt nur das Ende, mit dem aus der eigentlichen Komödie eine Tragödie wurde in der Viola, noch als Cesario verkleidet, ihren Kopf verliert.


Alles in allem war es zwar keine Komödie, aber die Schauspieler haben das mit ihren Leistungen schon fast wieder ausgeglichen.

(Inszinierung von „Was ihr Wollt“ - Shakespeare, 2017 Theater Lübeck)


RedakteurRedakteur: Julia
FotosFotos: Clara
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