Muss man Miezen siezen?
Muss man Miezen siezen?
19. Mai 2020
von Rina
3 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 3 Sterne vergeben

„Muss man Miezen siezen?“ ist bunt, verwirrend, lustig, kreativ und seltsam. Es fällt mir schwer, dieses Durcheinander von einem Buch zusammenfassen. Eines sei zuallererst gesagt: Es ist kein Roman. Es gibt keine durchgehende Geschichte oder Figuren oder auch nur eine gewisse Logik.
Das Buch beschreibt sich selbst als „Spektakel für Sprachverspielte, Buchstabenjongleure und Wortverdreher und solche, die es noch werden wollen“. Ein Spektakel ist es allerdings: Ein reines Chaos an kleinen Quizfragen, Geschichten und Gedichten, an Spielanleitungen, Sprachspielereien und Aufzählungen. Das einzige, was das ganze zusammenhalten soll, ist das Alphabet, indem die Buchstaben nacheinander über mehrere Seiten eine etwas größere Rolle spielen oder oft einfach nur der Anfangsbuchstaben der Überschriften ist.

Ich bekomme sehr gemischte Botschaften von diesem Buch, denn hintendrauf steht „Für jedes Alter“ und das scheint sehr wörtlich genommen worden zu sein. So gibt es Rätsel, die wahrscheinlich für Grundschüler zu leicht sind, und welche, bei denen auch Abiturienten das Wissen fehlt. Viele Gedichte funktionieren nur laut vorgelesen, und doch versteht man andere nur, wenn man sie selbst lesen kann. Auch die Gruppenspiele, die beschrieben werden, und die Aufzählungen, nach denen meistens die Frage kommt: „Welche kennst du?“, scheinen für Kinder, besonders Gruppen, geschrieben zu sein, dennoch sind einige Botschaften wie „Kinder sind Blitzableiter“ für ihre Eltern aus pädagogischer Sicht eher ungeschickt und es wimmelt vor lauter Fremd- oder schwierigen Wörtern, die die allerwenigsten Kinder kennen werden. Und so werden sie auch sehr schwer zu lesen sein.


Positiv ist zu sagen: Ich habe dieses Buch als Kind heiß und innig geliebt. Ich kann mich zwar nicht genug erinnern, dass ich wüsste, warum, aber diese emotionale Verbindung zum Buch habe ich nicht vergessen. Ich glaube, dass Kinder, die gut lesen können, Spaß an Sprache haben und sich sowohl alleine als auch zusammen mit anderen mit diesem Buch beschäftigen, das Buch toll finden werden.

Es gibt sehr viele Wiederholungen wie Aufzählungen, Ideen, die in anderer Form immer und immer wieder aufgegriffen werden, und Teile, die absurd, langweilig oder beides zugleich sind – Wörter und Sätze, die als ungewöhnliche Zusammensetzung von Buchstaben wirken, das macht sie jedoch nicht immer kreativ. Es ist kein Buch zum Auf-einmal-durchlesen, sondern zum Stöbern und statt das Geschriebene zu genießen ist eher das Weiter-, Nach- und Neudenken gefragt. Wenn man das Buch als eine Sammlung von Denkanstößen nimmt und als Grundlage für eigene kleine Werke, ist es als Kinderbuch durchaus gelungen.
Und obwohl ich eher selten eine altersmäßige Eingrenzung der Leserschaft befürworte, muss ich es gerade bei „Muss man Miezen siezen?“, das sich explizit für alle Altersgruppen anpreist. Denn Spaß haben werden damit nur Kinder. Und das auch nur die richtigen.

Für mich war das erneute Lesen ziemlich anstrengend. Das lag an der Unstrukturiertheit, dem sinnlosen Chaos, der einfachen Hirnlosigkeit von Teilen des Buches und die Lustlosigkeit, die all das hervorgerufen hat. Sätze wie „Halten Heinzelmännchen hierzulande Heupferdchen?“ und „Anfangs ebnen Igel oft Urwaldwege.“ haben ihren Zauber über mich verloren und ich habe viele dieser Nonsenssätze übersprungen.


Absolut fantastisch fand ich aber die grafische Gestaltung und die Illustrationen von Renate Habinger. Sie haben die Texte wunderbar eingerahmt, sodass alles zu lesen, wenn auch nicht verstehen, ist und die farbenfrohe Stimmung wirklich schön eingefangen. Ich glaube, es hätte dem Buch viel Gutes getan, die Bilder mehr mit dem Text zu verbinden statt sie zu einer bloßen Design-Sache zu machen.


Das Buch erschien 2006 beim Residenz-Verlag und wurde an die Büchergilde Gutenberg lizenziert. Meine Ausgabe stammt von 2008.

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