Interview mit Sabine Giebken

Interview

Sabine Giebken hat einen Roman um das Apnoetauchen oder auch Freitauchen, (das Tauchen mit nur einem Atemzug), mit dem Titel „Über uns das Meer“ geschrieben. Darin geht es um die Liebe zwischen Angel, einemgeheimnisvollen Apnoetaucher und Lou, die von zu Hause abgehauen ist. Angel ist sehr verschlossen, weil er einst dabei war, als ein Mädchen ertrank. Uns hat die Person hinter der Geschichte interessiert.

Blaue Seite: Vielen Menschen ist die Gefahr des Meeres nicht bewusst – warum kennen Sie sich damit aus?

Sabine Giebken: Ich glaube, weil ich ein vorsichtiger Mensch bin. Was Angel oder Lou tun, würde ich mich zum Beispiel nicht trauen. Da hätte ich einfach zu viel Respekt. Man kann sich dem bestimmt stellen, wenn man weiß, was man tut. Aber bei mir wäre der Respekt doch größer, als dieser Drang, den diese Menschen verspüren.

BS: Das kann ich total verstehen.

Sabine Giebken: So gesehen, beschreibe ich nicht Erfahrungen, sondern eher Wunschdenken. Man wünscht sich, mutiger zu sein.

BS: Und ist es das dann, was diese Faszination auslöst oder doch eher was anderes?

Sabine Giebken: Ich glaube, das ist ein Teil davon. Es ist aber nicht nur die Gefahr: Es sind vor allem die Schönheit und die Wesen, die darin leben. Was man sehen kann, wie es riecht, wie es sich anfühlt.

BS: Wie tief sind Sie gegangen?

Sabine Giebken: Soweit, wie man es im Schwimmbad eben machen kann. Dabei ging es aber nicht ums Tieftauchen, sondern um die Recherche. Ich bin eben ein Angsthase. Es ging einfach darum, zu tauchen und diese Techniken auszuprobieren. Und man merkt schon einen Effekt.

BS: Und wenn Sie nicht so tief getaucht sind, wie haben Sie es trotzdem geschafft, diesen Tiefenrausch und generell das Freitauchen so realistisch darzustellen?

Sabine Giebken: Vielleicht habe ich es einfach gut recherchiert. Aber vor allem stelle ich es mir in meiner Fantasie vor. Ich lese Erfahrungsberichte. Dann kommt das Wunschdenken dazu, sich selber zu trauen. Einfach die eigene Phantasie.

Sabine Giebken: Er hat ja einen richtigen Namen, der nicht so weit von Angel weg ist. Dann ist er nach Australien geflohen, da musste er sich einen englischen Namen überlegen. Darum Angel. Ich habe im Kopf immer dieses „Engel in der Tiefe“ gehabt, also dieses Emporschweben. Dann sind diese Engelsflügel entstanden und so hatte ich den Namen Angel im Kopf, bevor ich seinen richtigen Namen hatte.

BS: Gibt es in Ihrem Leben auch einen Engel?

Sabine Giebken: Ja, ich habe Familie und einen Lebensgefährten. Wenn es überhaupt Engel gibt, dann ist das die Familie.

BS: Also ganz viele Engel?

Sabine Giebken: Ja, eigentlich sind es ganz viele: kleine, große und vierbeinige.

BS: Sind Sie auch schon mal von Zuhause weggelaufen?

Sabine Giebken: Nicht so weit weg und auch nicht so lange.

BS: Und warum tut Lou es in Ihrem Buch?

Sabine Giebken: Lou flieht nicht nur vor dem, was sie bedrückt. Sie sucht auch das Gefühl, wie es ihr auf Elba im Kreis ihrer Familie immer ging und vor allem bei ihrer Großmutter. Weil das der einzige Platz war, an dem sie sich geborgen gefühlt hat. Also ist es keine Flucht, sondern eine Reise zu dem einzigen Ort, an dem sie sich frei gefühlt hat und wo sie die sein durfte, die sie ist.

BS: Und Sie können sich in sie hineinfühlen.

Sabine Giebken: Das ist mein Job. Ich kann ja nicht alles selbst erleben und muss mir viele Sachen ausdenken. Ich muss versuchen, das möglichst realistisch dazustellen. Phantasie ist ein großer Teil davon.

BS: Was ist für Sie eine blaue Seite?

Sabine Giebken: Das klingt nach Meer.

BS: Danke für das Interview.


Sabine Giebken: Bitte schön.

RedakteurRedakteur: Balu
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