LTB Collection - Kampf der Zauberer 1 - Die Krone der Magie
LTB Collection - Kampf der Zauberer 1 - Die Krone der Magie
22. November 2020
von Rina
4 Sterne
Rina Jahrgang 2003 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Mickymago ist Zauberlehrling von Meister Nereus und soll in seiner Abwesenheit den Magiamant des Regens beschützen. Das misslingt ihm, als Karlox den Magiamanten stiehlt. Um sein Dorf vor der Dürre zu retten, zieht Mickymago in die Stadt, wo er von einem großen Turnier erfährt, bei dem alle Magiamanten von einem Zauberer gewonnen und vereint werden sollen. Das ist Mickymagos einzige Chance, seinen Magiamanten zurückzubekommen. Dafür braucht er eine Mannschaft: Den zauberbegabten Goofimistos, der gerne eine andere berufliche Laufbahn einschlagen möchte, und Don Uck, der vom Drachenjungen Fafnir begleitet wird und dessen Zauber immer zeitverzögert wirken. Gemeinsam beginnen sie das große Turnier, während Meister Nereus vom Herrn der Lügen festgehalten wird…


Dieser Comic hat eindeutig Potenzial. Und es hätte so einfach genutzt werden können, dass es teilweise einfach weh tut. Das allergrößte Manko ist: Die Kapitel wurden ursprünglich einzeln veröffentlicht und wurden so angelegt: Sie wurden mit Covern und Legenden versehen und auch vom Spannungsbogen sind sie deutlich für sich gedacht. Wenn man alles in einem liest, ist es einfach nur nervig. Die Kapitel-Cover sind wunderschön gemacht, aber unnötig. Das Schlimmste jedoch finde ich tatsächlich die Legenden, die Erklärungen der wichtigen Figuren und Ereignisse, die ich jedes Mal lesen musste, falls etwas Neues drin steht. Denn ja, das kam tatsächlich vor. Und die Kapitelanfänge sind sehr daran orientiert, dass es eine Weile her ist, seit man den letzten Teil gelesen hat. Gute Anfänge, die mich mitten in einer Geschichte immer wieder herausreißen. Das finde ich sehr schade, weil das meiner Meinung nach sehr einfach hätte gerichtet werden können. Dass die Geschichte selbst Potenzial hat, muss auch der Verlag erkannt haben, schließlich ist schon alleine die Papierqualität höher (obwohl es nirgends steht, fühlt es sich im Vergleich definitiv so an). Außerdem gab es sogar eine Hardcover-Ausgabe vom Band. Ich glaube, dass der Comic sich mit ein wenig Mühe deutlich in Richtung Graphic Novel hätte bewegen können. Damit meine ich, dass die Story sich von der Komplexität her eher auf Comic- statt Roman-Niveau befindet, dabei aber die üblichen Lustigen Taschenbücher durchaus übersteigt. Mit nur einigen kleineren Änderungen hätte man die Geschichte wirklich in dieses Format arbeiten können. Das ist schade, nicht mehr und auch nicht weniger.

Die Geschichte ist in diese deutlichen Abschnitte unterteilt, die an sich ebenso wie die Gesamtstorytoll sind, aber sie fügen sich nur schwer aneinander. Besonders schwierig ist es für mich, wenn zwischen einigen Kapiteln ein Tag und zwischen anderen mehrere Wochen vergehen, ohne dass es erklärt oder erwähnt wird. Diese Unterteilung und der gebrochene Spannungsbogen nehmen dem Buch viel, was es hätte haben können. Es sorgt auch dafür, dass das Buch sehr kurzweilig ist. Das ist ausnahmsweise nicht positiv gemeint. Ich war durch mit dem Buch und fragte mich, ob es das denn wirklich schon war. Nächstes Mal werde ich es sehr bewusst und langsamer lesen, vielleicht auch extra in mehreren Abschnitten, um all den Humor, die ungewöhnlich intensiven Emotionen und die Action gebührend genießen zu können. Vieles von dem hätte mehr Raum gebrauchen können, um seine Wirkung zu entfalten.

Der Plot ist originell, interessant und vollgepackt genug, dass es mich ein wenig in den Fingern juckt, daraus einen richtigen Prosa-Text zu spinnen. Das Potenzial ist da in den Figuren, den Konflikten, dem allgemeinen Geschehen. Selbst eine gewisse emotionale Tiefe und auf jeden Fall genügend Actionszenen sind vorhanden, dass man daraus vermutlich einen richtigen Fantasy-Roman hätte machen können. (Ich bin mir nicht sicher, ob der Witz dann noch Platz hätte.) Aber es ist klar, dass das hier nicht passiert. Ob "Collection" oder nicht, es ist immer noch ein Lustiges Taschenbuch, dessen primäre Zielgruppe im Grundschulalter liegt. Ich kann mir die Geschichte nur in anderen Formaten so gut vorstellen, wo sie sich viel mehr entwickeln kann.

Manchmal lässt allerdings die Logik zu wünschen übrig. Das stört mich nicht, was die Magie angeht; wenn sich allerdings die Regeln des Turniers plötzlich ändern, irritiert das schon.

Die Dialoge und der generelle Humor in LTBs variiert. Gut bis schlecht bzw. zutreffender wäre wohl gefällt mir bis finde ich blöd. In dieser Ausgabe ist es definitiv am obersten Ende der Skala mit vielen Witzen zum Lautlachen, die der Ernsthaftigkeit des sonstigen Geschehens nichts nehmen und kein Augenrollen herausfordern.
Wie die Dialoge sind auch die Figuren in den LTBs ständigem Wandel, vom Autoren abhängig, unterworfen. In diesem sind sie sehr gut ausgearbeitet, klar in ihren Zügen zu erkennen und zwar orientiert an den normalen Versionen, doch eindeutig mit eigenen Entwicklungen. Hier möchte ich einmal die Namen erwähnen: Micky zu Mickymago, Donald Duck zu Donald Uck, Daisy zu Donna Daisynette. Diese Änderungen sind wirklich ulkig zu sehen und ich finde sie der Atmosphäre sehr zuträglich. In der englischen Version dagegen scheinen die Namen gleich geblieben zu sein. Natürlich sind auch neue Figuren wie Meister Nereus oder Fafnir dabei. Sie sind allesamt weder überraschend originell noch langweilig und speziell Fafnir trägt einiges zur Stimmung bei.

Oben hatte ich nervige große Dinge erklärt, hier jetzt die nervigen kleinen Dinge: Es wird vieles durch Fettschrift betont. Das ist normalerweise nicht so, ich kenne es nur aus dem einen englischen Lustigen Taschenbuch, das ich je gelesen habe. Gerade in dieser wundersamen, magischen Welt wirkt es überladen. Dann gibt es fehlende Leerzeichen und einmal wird der Hund Pluto genannt statt Plutus, wie er in dieser Welt heißt. Das sind Kleinigkeiten, die nicht weiter stören, aber gedankenlos wirken, da man sie mit einem Korrekturlesen leicht hätte herausfiltern können. Davon abgesehen muss ich die Übersetzung loben. Mit reimenden Zaubersprüchen und sonstigen zaubrischen Wortschöpfungen war das sicherlich nicht leicht, ist aber sehr gut gelungen. Der Ton im Dialog wirkt dynamisch und die Erzählung wunderbar dramatisch.

Als letztes will ich unbedingt sagen: Ich finde die Zeichnungen großartig. Eigentlich beschränkt sich mein Urteil zum bildlichen Anteil in Comics und Graphic Novels auf „mag ich“ und „mag ich nicht“, aber hier ist es mir wirklich aufgefallen. Grundsätzlich gibt es unzählige Künstler, die an den LTBs arbeiten, und trotzdem nicht sehr viele unterscheidbare Stile. Der Stil in diesem Comic ist auch in allen anderen mein Liebling; er ist modern, klar und wandelbar. Und dabei absolut konstant über das ganze Buch hinweg, obwohl bei 10 Kapiteln 7 verschiedene Zeichner daran gearbeitet haben. Es wird sich aber auch von den deutlichen Linien gelöst, wenn sinnvoll, etwa beim Teppichkrieger oder dem Mantel der Unsichtbarkeit. Außerdem finde ich die Farben gut gewählt: dramatisch, außergewöhnlich, aber nicht extravagant oder ablenkend. Sie arbeiten sehr harmonisch mit einander, den Zeichnungen und der Geschichte zusammen. Obwohl ich kein Fan von den blassen Blautönen bin, in denen Rückblenden gemalt sind. Das ist einfach langweilig.

„Die Krone der Magie“ ist einer meiner absoluten Favoriten unter den Lustigen Taschenbüchern. Es bewegt sich besonders bei der Story auf einem anderen Level, bietet die geliebten Figuren, ohne das Immergleiche wiederzukäuen, und ist wirklich schön erzählt. Es ist originell, abwechlungsreich und toll gezeichnet. Es ist nicht revolutionär, aber es ist verdammt gut.

 

Fun- und andere Facts:

Es ist das erste von sechs Büchern in der Reihe und die erste von neun Sagas.

Unter den sieben Zeichnern sind zwei Brüder, drei Marcos und zwei Allessandros.

Es gibt allerdings nur einen „Autoren“ (zuständig für „Story“): Stefano Ambrosio, den ich extra erwähnen wollte. Der hier eingetragene Autor Peter Höpfner ist der Chefredakteur.

 

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