Reckless – Lebendige Schatten
Reckless – Lebendige Schatten
16. September 2012
von Freya
4 Sterne
Freya Jahrgang 1994 Redaktion Lübeck
hat 4 Sterne vergeben

Jacob Reckless stirbt.
Und zwar bald, wenn er nichts dagegen unternimmt. Der Fluch der roten  Fee, den er auf sich genommen hat um seinen Bruder Will zu retten, gibt  ihm nur noch wenig Zeit. Sechs Mal wird die Motte auf seiner Brust zu  beißen, dann ist es vorbei. Fieberhaft durchforstet Jacob, gemeinsam mit  seiner treuen Gefährtin Fuchs, die Spiegelwelt, das Land der Märchen,  nach einem Gegenmittel. Doch weder das Blut eines Flaschengeistes noch  der Brunnen der ewigen Jugend helfen. Seine  letzte Hoffnung ist eine Armbrust, die, wenn sie von einem Liebenden auf  seinen Geliebten geschossen wird, Tote zum Leben erweckt haben soll.

Aber diese Armbrust ist eine gefährliche Waffe, die ganze Völker  auslöschen können soll. Und in den kriegerischen Zeiten, die in der  Spiegelwelt herrschen, ist er nicht der einzige Schatzjäger, der sich  auf die Suche nach der Armbrust macht.

Cornelia Funke entführt den Leser wieder einmal in die faszinierende  Welt der Märchen. Doch die Zeiten der Gebrüder Grimm sind vorbei. Die  Industrialisierung bahnt sich an, Technik löst die Magie ab und am  Horizont ziehen sich drohend die Wolken für einen Krieg zusammen, den es  in dieser Form noch nie in der gegeben hat. Das ist die große Stärke  des Romans.
Cornelia Funke besitzt ein meisterhaftes Gespür dafür, feine Parallelen  zu ziehen, die das Lesen zum Vergnügen machen. Verbindungen zwischen der  Spiegelwelt und der Realität, leise Anspielungen auf frühere Romane und  die altbekannten Märchen, die sich unaufhaltsam der Moderne entgegen  bewegen. Die Atmosphäre des Romans, die Welt, ihre Bewohner, alles zieht  den Leser von der ersten Seite an in den Bann.

Doch ein großes Defizit besitzt der Roman: Die Handlung. Viel zu sehr  erinnert sie an einen Film-Plot, viel zu berechenbar sind Held und  Gegenspieler. Jede noch so kleine Geschichte, die Cornelia Funke nur  nebenbei erwähnt, scheint spannender zu sein als Jacobs Abenteuer. Das  Gefühl zu wissen, wie es weiter geht, verschwindet erst gegen Ende, als  es plötzlich unglaublich spannend und mitreißend wird. Solch eine  Spannung und Unberechenbarkeit hätte ich mir für das ganze Buch  gewünscht.

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